Wenn auch die Orgel rockt

Ein Jahr lang ist umgebaut worden. Jetzt ist die Itzehoer Michaelis-Kirche zum Zentrum für Popularmusik geworden – für den ganzen Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf. Kantor Stephan Reinke verrät im Interview, wie es in dem Gebäude jetzt klingt.

Menschen in einem Kirchenschiff
Menschen in einem Kirchenschiff

Die St.-Michaelis-Kirche ist jetzt Zentrum für Popularmusik. Welches Lied ist zur Einweihungsfeier erklungen?
Stephan Reinke: Im Einweihungsgottesdienst war das erste Kirchenlied „Großer Gott, wir loben dich“ – in einer rockigen Improvisation für Orgel. Mir war es wichtig, in diesem Gottesdienst die stilistische Vielfalt von Kirchenmusik abzubilden. Daher war es eine bewusste Entscheidung, der Orgel als dem vermutlich traditionellsten Instrument der Kirchenmusik das erste Wort in diesem Gottesdienst zu geben. Und so soll auch die Arbeit in diesem Zentrum eine integrative sein: Es geht nie darum, Klassik durch Pop zu ersetzen, sondern es geht um ein großes Miteinander. Die St.-Michaelis-Kirche bleibt ja auch eine Kirche mit allem, was dazu gehört. Zusätzlich beherbergt sie aber jetzt auch das Zentrum für Popularmusik.

Worüber freuen Sie sich am meisten?
Ich freue mich über das sehr klare Statement des Kirchenkreises, dass Kirchenmusik ein wichtiger Faktor im kirchlichen Leben ist und auch in Zukunft sein soll. Und ich freue mich, dass dies nun auch in Itzehoe noch deutlicher wird. Die Einrichtung meiner Stelle vor gut zehn Jahren war schon ein wichtiger Schritt in diese Richtung, denn sie hat keine vorhandene Stelle ersetzt. Dass man in finanziell angespannten Zeiten strukturell jetzt noch weiter geht, ist ein gutes Zeichen für alle, die in unserem Kirchenkreis kirchenmusikalisch aktiv sein wollen.

Wie klingt es in den neuen Räumen?
Für die Gestaltung der Proberäume im Obergeschoss haben wir während des Umbaus einen Akustiker zu Rate gezogen. Ziel war es, in den Räumen mit einer Deckenhöhe von fast fünf Metern den Hall zu reduzieren. Dies ist gelungen: Für die Probenarbeit haben wir nun eine sehr gute Akustik, die nicht so trocken wie in einem Tonstudio ist, sondern den Singenden noch das Gefühl gibt, in einem großen Raum zu singen.

Hier proben jetzt Musizierende aus Itzehoe und Umgebung Foto: Kirchenkreis
Hier proben jetzt Musizierende aus Itzehoe und Umgebung Foto: Kirchenkreis

Wie viele Instrumente gibt es eigentlich in Zentrum – und was für welche?
Das kann ich tatsächlich nicht genau sagen. Es gibt sicher gut 15 Ukulelen, sehr viele Percussion­instrumente, die Orgel natürlich, einen Digitalflügel, mehrere Stage-Pianos, zwei E-Drum-Sets, Gitarren, eine E-Gitarre, einen E-Bass. Darüber hinaus eine ganze Reihe von Mikrofonen, Verstärkern und sehr viele Meter Kabel.

Finden in der Kirche auch Gottesdienste statt? Und werden diese nur popmusikalisch gestaltet?
Ja, die Kirche ist eine ganz „normale“ Gemeindekirche. Es finden Gottesdienste und Amtshandlungen statt. Im Anschluss an zum Beispiel eine Taufe kann man nun sogar in den Räumen feiern. Bei der Gestaltung der Gottesdienste legen wir Wert auf eine musikalisch ausgewogene Gestaltung. Aufgrund der vorhandenen Technik und der akustischen Bedingungen ist es aber hier sehr viel einfacher als in vielen anderen Kirchen, Popularmusik zur Aufführung zu bringen.

Warum braucht die Popularmusik ein eigenes Zentrum?
Letztlich ist das in der Kirchenmusik ja gar nicht so besonders, im Bereich der Klassik wird es nur selten „Zentrum klassische Kirchenmusik“ genannt. Aber natürlich gibt es viele dieser Orte, in denen leuchtturmartig große klassische Kirchenmusik gemacht wird. Und so ist dieses Zentrum einfach ein Ort, an dem gute Arbeits- und Aufführungsbedingungen für Popularmusik existieren.
Dabei gibt es eine ganze Reihe von praktischen Vorteilen. Für mich entfallen viele Wege und sehr viel Arbeit mit Transport und Aufbau von Technik. Vor einer Probe muss ich jetzt nur noch ein paar Stecker einstöpseln und muss nicht aufwändig ein Bandequipment aufbauen. Und nach außen wird deutlich, wo meine Stelle in der Region Itzehoe angesiedelt ist. Das erhöht den Wiedererkennungswert und profiliert die musikalische Arbeit in unserem Kirchenkreis.