Weniger als die Hälfte der Beschäftigten bekommt Urlaubsgeld

Wer es bekommt, kann sich in Zeiten hoher Preise glücklich schätzen: das Urlaubsgeld. Um als Angestellter in den Genuss zu kommen, ist laut Hans-Böckler-Stiftung ein Faktor besonders entscheidend.

Weniger als jeder zweite Beschäftigte bekommt Urlaubsgeld
Weniger als jeder zweite Beschäftigte bekommt UrlaubsgeldImago / Rolf Poss

In Deutschland bekommen 47 Prozent aller Beschäftigten laut einer Online-Befragung Urlaubsgeld. Der Anteil liege in tarifgebundenen Unternehmen der Privatwirtschaft mit 74 Prozent deutlich über dem Anteil in Unternehmen ohne Tarifvertrag (35 Prozent), teilte die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung mit.

Hintergrund sei eine Befragung des Portals Lohnspiegel.de, welches vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Stiftung betreut wird. Zwischen Mai 2022 und April 2023 wurden demnach die Angaben von 59.215 Beschäftigten ausgewertet, die an einer kontinuierlichen Online-Erhebung des Portals teilgenommen haben.

Tarifbindung ermöglicht Sonderzahlungen

„Die Umfrage ist nicht repräsentativ, erlaubt aber aufgrund der hohen Fallzahlen detaillierte Einblicke in die Arbeitswelt“, erklärte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Stiftung. Beschäftigte des öffentlichen Dienstes seien nicht berücksichtigt worden, da bei ihnen das Urlaubs- und Weihnachtsgeld seit der Tarifreform des Jahres 2005 in einer einzigen Jahressonderzahlung zusammengefasst worden seien.

Ob Beschäftigte Urlaubsgeld erhielten, hänge auch mit der Größe eines Unternehmens sowie der Höhe des Bruttomonatslohns zusammen, zeigt die Auswertung. Je mehr Menschen dort arbeiteten und desto höher das Einkommen, desto eher gebe es die entsprechende Sonderzahlung. Gleichzeitig unterstrich das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Stiftung , dass in größeren Unternehmen häufiger eine Tarifbindung bestehe und auch die Lohnhöhe in Beziehung dazu stehe.

Mehr Urlaubsgeld im Westen

So kommt die Datenauswertung auch zu der Erkenntnis, dass Beschäftigte in Ostdeutschland seltener Urlaubsgeld erhalten (34 Prozent) als im Westen (49 Prozent). „Dieser Unterschied ist in erster Linie auf die deutlich geringere Tarifbindung im Osten Deutschlands zurückzuführen“, erläuterte die Stiftung. Generell sei das Urlaubsgeld im Westen auch höher als im Osten.

Ausnahmen bildeten das Versicherungsgewerbe, die Chemische Industrie, die Druckindustrie und das Gebäudereinigungshandwerk, in denen jeweils in Ost- und Westdeutschland das gleiche Urlaubsgeld gezahlt wird.

Gestiegene Lebenshaltungskosten verschlingen häufig Urlaubsgeld

„Ursprünglich war das seit den 1960er Jahren in vielen Branchen eingeführte tarifvertragliche Urlaubsgeld dafür gedacht, um mehr Beschäftigten einen Jahresurlaub zu ermöglichen“, sagte der Leiter des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Stiftung , Thorsten Schulten.

Zurzeit sei die Sonderzahlung für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eher ein Puffer, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten auszugleichen. Umso schlimmer sei es, „dass die Beschäftigten im Niedriglohnsektor einmal mehr zu den Verlierern gehören, da sie deutlich seltener in Unternehmen mit Tarifvertrag arbeiten und deshalb auch zumeist beim Urlaubsgeld leer ausgehen“.