Schädliche Insekten waren in die ungarische Benediktiner-Bibliothek Pannonhalma eingedrungen und bedrohten einen Teil des Unesco-Welterbes. Doch nun gibt es eine positive Nachricht.
Ungarns Kulturszene atmet auf: Die wegen eines massiven Brotkäfer-Befalls monatelang geschlossene Bibliothek der Erzabtei Pannonhalma ist wieder geöffnet. Am Dienstag gab die für kulturelle Beziehungen zuständige Staatssekretärin Anita Kiss-Hegyi die Bibliothek wieder frei: Der zum Unesco-Welterbe zählende Bestand habe durch ein aufwendiges Sanierungsprogramm gesichert werden können.
Erzabt Cirill Hortobagyi zeigte sich erfreut: “Ohne Bücher kann man nicht von einem benediktinischen Kloster sprechen.” Kiss-Hegyi betonte, dass die dortige Sammlung für die Wurzeln europäischer Kultur stehe. Darum sei es unabdingbar gewesen, sie vor den Käfern zu retten.
Die Kleinstadt Pannonhalma beherbergt eine der größten Benediktiner-Bibliotheken der Welt. Wegen einer dramatischen Käfer-Invasion war sie im vergangenen Sommer geschlossen worden. Entsetzte Experten sprachen damals von einem “großflächigen Befall historischer Bestände”, den es so in Ungarn noch nie gegeben habe. Betroffen war der klassizistische Saal mit rund 100.000 Bänden, ein über zwei Jahrhunderte gewachsenes Kulturgut. Die gefräßigen Insekten, im Volksmund Bücherwürmer genannt, waren vermutlich über Türen, Fenster oder Kleidung in die nicht klimatisierte Bibliothek gelangt.
Zehntausende Bücher mussten in der Folge in Kisten verpackt und in speziellen Kammern wochenlang in sauerstofffreier Umgebung behandelt werden. Zugleich wurden strukturelle Schäden im historischen Regalsystem behoben.
Die mehr als 1.000 Jahre alte Erzabtei Pannonhalma ist mit ihrer einzigartigen Bau- und Naturlandschaft nicht nur Teil des Unesco-Welterbes, sondern auch ein herausragender nationaler Gedenkort. Jährlich kommen rund 140.000 Besucherinnen und Besucher in das Kloster auf dem Martinsberg südlich von Györ.