Die Klassik Stiftung Weimar blickt auf ein erfolgreiches Themenjahr „Faust“ zurück. 2025 habe die Stiftung in ihren Einrichtungen, Veranstaltungen und Museen einen Besucherzuwachs von 1,7 Prozent verzeichnen können, sagte Stiftungspräsidentin Ulrike Lorenz am Donnerstag in Weimar. Insgesamt seien über 725.000 Gäste gezählt worden, davon allein 125.000 im Goethe-Nationalmuseum.
Die Klassik Stiftung ist laut Lorenz ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Stadt. Schon die Ausstellung zu den Verbindungen Casper David Friedrichs (1774-1840) nach Weimar habe im Januar und Februar 2025 für außergewöhnlich hohe Übernachtungszahlen und gute Umsätze in der Gastronomie gesorgt. Auch damit habe die Stiftung ihre Rolle als mit Abstand bedeutendste Kultureinrichtung Thüringens gefestigt.
Am Donnerstag stellte die Stiftung das neue digitale Portal „Faust erleben“ erstmals öffentlich vor. Mit diesem Angebot im Internet entsteht laut dem Direktor für Digitale Transformation, Dirk Wintergrün, eine digitale Pforte zu den Quellen und Medien rund um das bekannteste Werk der deutschsprachigen Literatur. Das Portal vereine einzigartige Zeugnisse, vom handschriftlichen Nachlass im Goethe- und Schiller Archiv über die Faustsammlung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek bis hin zum Pappelholzschrank im Arbeitszimmer in Goethes Wohnhaus, in dem der Dichter das Manuskript von Faust II aufbewahrte.
Über das Portal ist es zudem möglich, die aktuelle Ausstellung der Stiftung im Schillerhaus zum Hauptwerk Johann Wolfgang von Goethes, „Faust II“, virtuell zu besuchen. Wie in der analogen Schau könne sich der Nutzer in dem virtuellen Raum frei bewegen und alles ansteuern, was ihn interessiere, sagte Wintergrün. Ein weiterer Bereich des Portals biete Wissenschaftlern und Studierenden, die sich mit Goethes Faust und seinem kulturellen, historischen und medialen Umfeld auseinandersetzen, digitale Zugänge zu den Forschungsergebnissen der Stiftung in diesem Themenfeld.
Mit der Freischaltung des Portals „Faust erleben“ setzt die Stiftung zugleich einen ersten Akzent im neuen Themenjahr „Öffnen“. Im Fokus sollen dabei die Zugänglichkeit, Vernetzung und Digitalisierung der Angebote stehen. Mitte März werde das 25. Jubiläum zur Aufnahme des handschriftlichen Nachlasses von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) ins Unesco-Weltdokumentenerbe mit einem Festakt gefeiert. Im Stadtschloss werden Anfang April erste Bereiche nach dem Umbau wiedereröffnet. Kurz daraus werde auch die Sanierung im derzeit für den Besucherverkehr gesperrten Wittumspalais abgeschlossen sein.
Trotzdem sieht die Stiftung finanziell herausfordernden Zeiten entgegen. Zwar bewegten sich die Zuwendungen von Bund, Land und Kommunen auf dem Niveau von 2025, sagte Verwaltungsdirektor Thomas Leßmann. Insgesamt rechnen die Haushälter mit 37 Millionen Euro an Mitteln zur Aufrechterhaltung des Stiftungsbetriebs mit ihren rund 420 Mitarbeitern. Zugleich stiegen aber die Personal- und Sachkosten in einzelnen Bereichen im zweistelligen Prozentbereich. Die Stiftung werde daher perspektivisch ihr Kostenmanagement intensivieren müssen.