Einsichten – die christliche Kolumne

Was im Herzen bewegt

Über ein pulsierendes Lebenszentrum schreibt Annemargret Pilgrim. Sie ist Pastorin i.R. aus Stralsund.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.“ aus dem 5. Buch Mose 30, 11-14

Welches Wort ist denn dieser Tage bei mir? Seit Wochen und Monaten und ein Ende nicht in Sicht? Corona! Kann mich dieses Wort mit den dazugehörenden Ängsten, wissenschaftlichen Erkenntnissen, Maßnahmen und Protesten ganz ausfüllen? Ja, das kann es.

Meinen Mund und mein Herz. Und meinen Verstand. Worte können viel.

Gottes Wort rückt alle Menschen beherrschenden Worte in ein anderes Licht. Es nimmt ihnen die Macht über mich. Dicht bei mir Gottes Wort: Wie tröstlich und ermutigend. Aber auch fordernd und ermahnend.

Gottes Wort gegen Corona

„… dass du es tust“. Kommt Gottes Wort gegen Corona an? Lasse ich mich von der Angst vor Ansteckung leiten oder von dem Nicht-wahr-haben-Wollen? Was ist mit der Hoffnung, die Gott mir schenkt?

„Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“, heißt es. Davon rede ich, was mich im Herzen bewegt. Das Herz ist der Sitz des Gefühls, der Liebe, sagt man. Aber ich kenne auch verhärtete Herzen, gebrochene, hasserfüllte. Das Herz ist das pulsierende Lebenszentrum, enorm leistungsfähig, aber auch ein beanspruchtes Organ. Dabei so verletzlich.

Ganz nah ist Gottes Wort meinem Sein, sagt die Bibel. Gott ist der mitgehende Gott. Er kommt mir nahe, weil er seinen Menschen nah sein will.

Himmelweit und ozeantief

„Woran du dein Herz hängst, das ist eigentlich dein Gott“, sagt Martin Luther. Es ist sicherlich eine Warnung für mich aufzupassen, was mir wichtig ist im Leben. Aber dieser Satz beinhaltet auch eine große Verheißung und Aufgabe: Wo ich mich von ganzem Herzen einlasse, mit meiner ganzen Person engagiere, da begegne ich Gott. Ich kann mich einsetzen für die Eindämmung der Angst und gegen das Herunterspielen der Gefahr, aufklären und Gottes gutem Geist Raum geben.

Ich merke, dass er sein Herz schon längst an mich gehängt hat. Und kann erleben: Er ist nicht himmelweit und ozeantief entfernt. Sondern ganz nah meinem Ich, was auch geschieht, wo ich auch bin, wie weit ich mich auch von ihm entferne. Gott wird bei mir sein.

Unsere Autorin
Annemargret Pilgrim ist Pastorin i.R. aus Stralsund.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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