Was die digitale Kirche  jetzt anpacken muss

Seit Jahren will die Kirche in den sozialen Medien präsenter sein, auch weil sich dort kirchenferne Menschen erreichen lassen. Bei der Vorstellung einer Studie hat Instagram-Pastorin Josephine Teske aus Hamburg klare Forderungen.

Auf Instagram ist Joesphine Teske unter @seligkeitsdinge_ zu finden Foto: Pixabay
Auf Instagram ist Joesphine Teske unter @seligkeitsdinge_ zu finden Foto: Pixabay

Hamburg/Hannover. Digitale Communities helfen einer Studie zufolge bei der Kontaktpflege mit Kirchenmitgliedern und haben missionarisches Potenzial. Sie seien „wertvolle Orte“ für die Zukunft der Kirche, sagte der Sozialwissenschaftler Daniel Hörsch bei einem Online-Pressegespräch zu einer Untersuchung der Followerschaft christlicher Influencer im sozialen Netzwerk Instagram.

Die Hamburger Pastorin Josephine Teske, die auch Mitglied im EKD-Rat ist, sagte, digitale Gemeinschaften könnten analoge Gemeinden nicht ersetzen, aber sie seien ebenfalls „Orte der Verkündigung“. Das zeige die Studie und das bestätige auch ihre Erfahrung als christliche Influencerin. Teske hat auf ihrem Instagram-Account „seligkeitsdinge_“ etwa 38.200 Followerinnen und Follower.

Evangelische Pluralität sichtbar

Die Instagramerin Maike Schöfer beklagte, die Arbeit christlicher Influencer werde häufig immer noch nicht gesehen. Schöfer ist auf Instagram mit ihrem Account „ja.und.amen“ präsent und hat 24.000 Follower. Durch Social Media werde eine evangelische Pluralität sichtbar, die sich bislang in kirchlichen Leitungsebenen nicht widerspiegle. Teske forderte Stellenanteile etwa für Religionslehrerinnen und Pastorinnen, die sich auf Social Media engagieren. Das könne entlasten und helfen.

Immer online: Joesphine Teske in der Matthias-Claudius-Kirche im Hamburger Stadtteil Meiendorf-OIdenfelde Foto: Timo Teggatz
Immer online: Joesphine Teske in der Matthias-Claudius-Kirche im Hamburger Stadtteil Meiendorf-OIdenfelde Foto: Timo Teggatz

Die Erhebung zeigt demnach, dass die untersuchten Follower mehrheitlich der Generation junger Erwachsener zwischen 20 und 39 Jahren (58,4 Prozent) angehören und meist weiblich (85 Prozent) sind. Bei christlichen Influencern finde man offensichtlich die Zielgruppe, die sonst schmerzlich im Präsentisch-Analogen vermisst werde, sagte Hörsch.


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85,5 Prozent der Followerinnen und Follower sind den Angaben zufolge Kirchenmitglied, mehr als zwei Drittel haben auch Kontakt zu einer Kirchengemeinde. Mehr als 90 Prozent gaben an, religiös zu sein. Insgesamt habe man es mit einer Gruppe hochverbundener Gläubiger zu tun.

Missionarisches Potenzial

Knapp einer von fünf Befragten war zwar Mitglied einer Kirche, habe aber keinen Kontakt zu einer Kirchengemeinde. Das sei als Potenzial zu digitaler Mitgliederpflege aufzufassen, sagte Hörsch. Rund zwölf Prozent seien weder Kirchenmitglied noch in Kontakt zu einer Kirchengemeinde oder religiös. Das zeige das missionarische Potenzial digitaler Communities, sagte er. Aus der Evangelisationsforschung wisse man, dass Werte über zehn Prozent ein sehr gutes Ergebnis seien.

Für die Studie wurden im Juli 2022 knapp 2.800 Antworten von Followern 13 christlicher Influencer ausgewertet. 8 der 13 Influencer gehören dem Content-Netzwerk „yeet“ an. Erstellt hat die Studie die Evangelische Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung (midi) gemeinsam mit der EKD.

Gemeinsames Netzwerk

Das Content-Netzwerk „yeet“ ist im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) in Frankfurt am Main angesiedelt, das auch die Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd) trägt. (epd)