2026 – das ist das Jahr des Akkordeons. Denn es wurde von den Landesmusikräten zum „Instrument des Jahres“ gewählt. Erfunden wurde das „Accordeon“ zwar wohl 1829 in Wien, doch dass das Instrument viel mit Baden-Württemberg zu tun hat, zeigt das Deutsche Harmonikamuseum in Trossingen (Landkreis Tuttlingen), das mitten im historischen Hohner-Areal liegt.
1903 beginnen die Trossinger Firmen Hohner und Koch mit der Fabrikation von Handharmonikas, nachdem sie bereits mit der Produktion von Mundharmonikas erfolgreich waren. Zu sehen ist im Museum das größte spielbare Knopfgriffakkordeon der Welt. Es wurde 1953 gefertigt, ist 1,23 Meter hoch und 22 Kilogramm schwer und muss von drei Personen gleichzeitig gespielt werden. Ebenso wird die kleinste Mundharmonika der Welt, die „Little Lady“ mit 3,7 Zentimetern gezeigt. Diese wurde von Kapitän Walter Schirra an Bord des Raumschiffes Gemini VI geschmuggelt und erklang als erstes Instrument im Weltall.
Ausgestellt ist auch ein Akkordeon mit Schlagzeug, das mit pneumatischer Steuerung und elektrisch angetriebenem Gebläse automatisch spielt. Ein Modell macht die Einzelteile des Akkordeons sichtbar und erklärt den komplexen Aufbau des Instruments.
Ab 1929 dominierte die Matthias Hohner AG den Weltmarkt, nachdem sie die größten Konkurrenten aufgekauft hatte. Im Jahre 1923 wurden weltweit insgesamt 50 Millionen Mundharmonikas produziert, die Hälfte davon in Trossingen. 1939 hatte Hohner 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – eine Zahl, die die Firma nie wieder erreichen sollte.
Eine sinkende Nachfrage führte ab 1957 dazu, dass die Firma in eine Krise kam. Auch innovative Erfindungen wie elektronische Tasteninstrumente, also Vorläufer von Keyboards, wurden nicht wie erwünscht angenommen. „Hohner war da wohl seiner Zeit voraus“, sagte Museumsdirektor Salvatore Martinelli. Als die Krise ihren Höhepunkt erreichte, kaufte 1987 das Land Baden-Württemberg die historische Sammlung der Firma Hohner auf, um sie zu sichern. Diese mehr als 25.000 Instrumente, Kataloge und Dokumente sind die Grundlage für das heutige Museum.
Heute arbeiten bei Hohner etwa 120 Angestellte. Die Trossinger Firma gehört nun zur HS Investment Group, die taiwanesische Investoren vertritt. Hohner produziert aber nach eigenen Angaben den größten Teil der Mundharmonikas und Akkordeons noch in Deutschland und ist in diesem Bereich Weltmarktführer geblieben.
In diesem Jahr, in dem das Akkordeon deutschlandweit im Mittelpunkt steht, werden insgesamt rund 1.000 Akkordeons und akkordeonverwandte Instrumente im Rahmen von verschiedenen Instrumentenausstellungen präsentiert, darunter frühe historische Modelle und seltene Einzelstücke, verrät Martinelli. Ihn fasziniere am Akkordeon, dass es so vielfältig sei: Es könne als Solo-, Begleit- und Ensembleinstrument eingesetzt werden und bewege sich zwischen Volksmusik, Kunstmusik, Jazz und zeitgenössischen Ausdrucksformen.
Übrigens: Durch den Erfolg der Firma Hohner ist in den 1930er Jahren das erste Akkordeonorchester entstanden, schreibt der Landesmusikrat Baden-Württemberg auf seiner Internetseite. „Das Orchester diente als Werbelokomotive und zog eine Welle von Orchestergründungen nach sich, insbesondere im Raum Württemberg, Baden und Hohenzollern.“ Dies erkläre auch, warum heute noch 60 Prozent der deutschen Harmonikavereine in Baden-Württemberg ansässig sind. „Vielleicht ist das Akkordeon sogar das schwäbischste Instrument überhaupt“, mutmaßt der Landesmusikrat. (0054/12.01.2026)