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Vom Weihnachtsmann und dem Jesuskind

Evangelisch oder katholisch? Was vor einigen Jahrzehnten eine einfache Frage war, stellt sich heute vielschichtiger dar. Schon in der Kindertagesstätte begegnen sich längst nicht mehr nur evangelische und katholische Mädchen und Jungen. Auch muslimische, orthodoxe, jüdische oder hinduistische Kinder gehören ebenso selbstverständlich dazu wie solche ohne religiöse Bindung.

„Kinder sind Entdecker und Frager“, sagt Uwe Hauser, Direktor des Religionspädagogischen Instituts der Evangelischen Landeskirche in Baden (Karlsruhe), im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Schon Drei- bis Fünfjährige wollten wissen: „Wo kommt alles her? Warum musste mein Hamster, mein Opa sterben? Wo ist er jetzt?“

Um pädagogische Fachkräfte auf solche Fragen vorzubereiten, läuft in Baden seit mehreren Jahren das Projekt „Evangelisches Profil in der Kita stärken“. In Fortbildungen lernen Erzieherinnen und Erzieher, Kinder eigene Deutungen entwickeln zu lassen. „Man muss suchend und fragend ins Gespräch kommen, damit sie Zugang zu ihrer Gefühlswelt finden“, betont der Theologe.

Dabei sei es entscheidend, die Entwicklungspsychologie zu berücksichtigen und empathisch „in die kleine Kinderseele hineinzuhören“. Fünf- bis Sechsjährige lebten noch in einer „mythisch-magischen Welt“. Ob es also den Weihnachtsmann gibt, sollten sie selbst herausfinden dürfen.

Im evangelischen Religionsunterricht der Schule werden laut Bildungsplan Baden-Württemberg vor allem drei große Themenfelder behandelt: die Frage nach der Schöpfung im Verhältnis zur Evolution, die Person Jesu und ihre Beziehung zu Gott sowie das Problem des Leids und des Todes, die sogenannte Theodizee.

Für Hauser sind hier offene Antworten gefragt. Mit Blick auf die Entstehung der Welt plädiert er für ein „Sowohl als auch“. Schöpfung sei keine naturwissenschaftliche Erklärung, sondern ein Bekenntnis: „Wir sind nicht allein. Du bist gewollt, die Welt ist gewollt – und sie ist gut.“

Auch digital sind Antworten zu finden. Unter dem Titel „Religion in 90 Sekunden“ beantwortet der Theologe Wolfgang Reinbold (Hannover) Fragen rund um Glauben und Religion – auf dem YouTube-Kanal des Evangelischen Kirchenfunks Niedersachsen-Bremen. Daraus entstand das Buch „Warum ist Weihnachten am 7. Januar?“ (Vandenhoeck & Ruprecht, 2025).

Darin führt der Beauftragte für Kirche und Islam an der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover durch zentrale Begriffe des Christen- und Judentums sowie dem Islam – von „A und O“ über „Fasten“ und „die Leviten lesen“ bis zu „Pontius und Pilatus“ und „Zölibat“. Kurz und prägnant erklärt er Themen, die auch Jugendliche beschäftigen: Abtreibung, Homosexualität, Gleichstellung der Frau oder Familienbilder in der Bibel und geht auch auf zentrale Begriffe nichtchristlicher Glaubensgemeinschaften ein.

Nicht alles in der Religion lässt sich historisch genau belegen, was auch das Datum des Weihnachtsfestes betrifft. So weisen weder die Evangelien ein konkretes Geburtsdatum Jesu aus, noch war das Fest von Anfang an festgelegt. „Im frühen Christentum entschied man sich im 4. Jahrhundert, den Geburtstag Jesu am Tag des römischen ‚Fests der unbesiegbaren Sonne‘ zu feiern“, erklärt Hauser.

Für ihn zählt letztlich die Botschaft: Die Geschenke der drei Weisen – Gold, Weihrauch und Myrrhe – stehen rückblickend für Jesu königliche Würde, seine göttliche Natur und sein Leiden. „Zur damaligen Zeit kannte man nur drei Erdteile – Europa, Asien und Afrika. Die drei Könige symbolisieren daher, dass die ganze Welt nach Bethlehem kam“, so Hauser. Ihm zufolge geht es in den biblischen Erzählungen weniger um historische Genauigkeit: „Geschichten und Texte sind wichtig, wenn sie uns heute etwas sagen können.“ (3337/23.12.2025)