Bei der Aktion “Stunde der Wintervögel” sind in Bayerns Gärten im Schnitt weniger Tiere gezählt worden. Überraschend tauchten jedoch einzelne Zugvögel auf, die sonst im Winter nicht hier bleiben.
Weniger Vögel pro Garten, dafür überraschende Wintergäste: Das ist das Ergebnis der “Stunde der Wintervögel” 2026, wie der bayerische Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) am Dienstag mitteilte. Rund 29.600 Teilnehmer hätten dafür vom 9. bis 11. Januar in mehr als 21.300 Gärten und Parks Vögel gezählt – insgesamt etwa 626.600.
Die Top Ten führt der Haussperling an, Kohlmeise und Feldsperling finden sich auf den Plätzen zwei und drei. Dahinter folgten Amsel, Blaumeise, Buchfink, Elster, Grünfink, Rotkehlchen und Rabenkrähe. Der Bergfink, 2025 auf Platz sieben, habe sich kaum blicken lassen.
Insgesamt zählten die Teilnehmer im Schnitt 29 Vögel pro Garten, zwei weniger als im Vorjahr. “Anders als im vergangenen Jahr blieben große Einflüge von Bergfinken und anderen nordischen Wintergästen wie Erlenzeisigen aus. Solche großen Vogelschwärme können die Durchschnittswerte deutlich nach oben treiben und hatten 2025 vermutlich einen maßgeblichen Einfluss auf das Ergebnis”, sagte Biologin Angelika Nelson.
Doch auch unabhängig davon gebe es einen schleichenden, kontinuierlichen Rückgang der Vogelzahlen in den Gärten. Das liege unter anderem an fehlenden geeigneten Lebensräumen und einem Mangel an Insekten als Nahrungsquelle.
Für Überraschungen sorgten laut der Mitteilung einzelne Meldungen von Wiedehopf, Bekassine, Zippammer und Brachvogel. Diese seien Zugvögel, die normalerweise in der kalten Jahreszeit nach Süden fliegen. Ob sie versuchten, die im Schnitt milder werdenden Winter in Bayern zu verbringen oder nur Irrläufer seien, sei nicht klar.
Zudem hätten Teilnehmer fliegende Formationen laut rufender Kraniche entdeckt. “Vermutlich handelte es sich bei diesen Vögeln um eine Winterflucht infolge des deutlichen Kälteeinbruchs am Zählwochenende: Kraniche versuchen zunehmend, in Norddeutschland zu überwintern, bei anhaltender Kälte ziehen sie jedoch rasch entlang ihrer üblichen Route weiter nach Südwesten”, erläuterte Nelson.
Die nächste Vogelzählung findet vom 8. bis 10. Mai bei der “Stunde der Gartenvögel” statt. Organisiert werden beide Aktionen vom LBV und dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Die “Stunde der Wintervögel” ist den Angaben zufolge Deutschlands größte bürgerwissenschaftliche Mitmachaktion.