Vermurkst

UK 3/2018, Plattdeutsch („Angemerkt“ Seite 1: „Nich bange machen lassen“)
Der Satz „Wo kommen Sie denn wech?“ ist mitnichten plattdeutsch, ist vielmehr schlechtes Hochdeutsch. In Plattdeutsch, jedenfalls in hiesiger Mundart, könnte der Satz lauten: „Wo kuemt Säi denn weg?“. (Das letzte Wort des Satzes muss am Schluss ein „g“ haben, was ersichtlich wird, wenn man zum Beispiel sagt: Eck bin denn maol wege.)
Was die Ortsnamen in Westfalen angeht, sind die meisten von ihnen in Zeiten entstanden, als hier nur niederdeutsch gesprochen und geschrieben wurde, zum Teil haben die Namen noch ältere Wurzeln. Die Namen sind, wenn man so will, plattdeutsch, man muss sie nicht mehr „verplattdeutschen“. Es gibt selbstverständlich auch hochdeutsche Ortsnamen bzw. solche, die hochdeutsche Bestandteile aufweisen, zum Beispiel Namen auf „-heim“, „-hausen“ oder „-dorf“. Diese endeten früher auf „-hem“, „-hu-
sen“ oder „-dorp“. Auch mit „-um“ endende Ortsnamen sind meistens aus früher mit „-hem“ endenden Ortsnamen hervorgegangen, das dürfte auch bei Bochum zutreffen.
Bei dem angeblich plattdeutschen Namen „Düörpm“ für Dortmund kann ich – übrigens mit Plattdeutsch als Muttersprache – nur den ersten Teil des Namens als plattdeutsch ansehen. Die zweite Silbe des Namens „-mund“ nur mit einem „m“ wiederzugeben ist reine Sprachschluderei und Mundfaulheit. Es wäre schlimm, wenn demnächst solche vermurksten angeblich plattdeutschen Namensformen wie „Düörpm“ oder andere auf Ortseingangsschildern in Westfalen prangen würden.
Hans Eberhard Brandhorst, Minden