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Verbände warnen vor Folgen von Bildungsungerechtigkeit

Probleme im Bildungssektor als größte Gefahr für die Zukunft? So sehen es die Deutschen laut einer aktuellen Umfrage. Auf die Bedeutung von Bildung weisen Verbände und Hilfswerke anlässlich des Welttags der Bildung hin.

Verbände und Hilfswerke weisen auf die Bedeutung von Bildung und auf fehlende Bildungsgerechtigkeit hin. Laut einer Umfrage des Deutschen Beamtenbunds DBB zum Internationalen Tag der Bildung am Samstag sehen 90 Prozent der Deutschen Probleme in der Bildung als größte Gefahr für die Zukunft des Landes. Erst dahinter folgen die Zunahme gesellschaftlicher Spannungen (88 Prozent), die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich (85 Prozent), der Mangel an qualifizierten Fachkräften (78 Prozent), zunehmender Rechtsextremismus und islamistischer Terror (je 70 Prozent) und der Klimawandel (62 Prozent).

“Die Menschen wissen: Die Zukunft unseres Landes entscheidet sich im Klassenzimmer”, erklärte die Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing. Sie verstünden Bildung als vorrangige politische Aufgabe, um Demokratie, Wirtschaftskraft und Freiheit zu sichern. Der Verband forderte daher: Zukunftsfähige Bildungspolitik müsse die Leistungsförderung wieder in den Mittelpunkt rücken. Und Lehrkräfte sollten nach Möglichkeit weiterhin verbeamtet werden, um die Stabilität und Verlässlichkeit des Bildungssystems zu gewährleisten.

Dass die soziale Herkunft noch immer über den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen entscheide, kritisiert der Deutsche Bibliotheksverband. “Wir brauchen daher neben der Schule gut ausgestattete außerschulische Bildungsorte wie Bibliotheken, die den Zugang zu Medien, Informationen und Beratungsangeboten kostenlos ermöglichen”, sagte die Bundesvorsitzende Antje Theise. Das Recht auf Bildung müsse, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, für alle möglich gemacht werden.

Seit 1948 schreibt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte das Recht auf Bildung fest. Seit 2019 begehen die Vereinten Nationen am 24. Januar den Internationalen Tag der Bildung, um auf ihre Bildungsziele aufmerksam zu machen. Dazu zählen eine kostenlose und verpflichtende Grundschulbildung, aber auch, die Schulabbrecherquote zu senken.

Einen internationalen Blick auf Schwierigkeiten im Bildungssektor wirft die UNO-Flüchtlingshilfe. 41 Prozent der Geflüchteten weltweit seien minderjährig, darunter rund 12,4 Millionen in schulpflichtigem Alter – und fast die Hälfte von ihnen hätten keinen Zugang zu Bildung. “Für geflüchtete Menschen ist Bildung oft der entscheidende Schritt aus Abhängigkeit und Unsicherheit hin zu Selbstbestimmung – und der Schlüssel zu einer eigenen Zukunft”, erklärte die Vorstandsvorsitzende der UNO-Flüchtlingshilfe, Ricarda Brandts.

Während weltweit über 90 Prozent der Kinder im Grundschulalter eine Schule besuchten, seien es unter Flüchtlingskindern nur 67 Prozent. Eine weiterführende Schulbildung erhielten weltweit rund 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen, unter Geflüchteten hingegen nur 37 Prozent. Im Bereich der Hochschulen sinkt die Zahl den Angaben zufolge insgesamt auf 40 Prozent und bei Flüchtlingen gar auf 9 Prozent.

Der Präsident von missio Aachen, Dirk Bingener, sagte, in von Gewalt und Flucht geprägten Regionen böten kirchliche Einrichtungen oft die einzige Möglichkeit für Unterricht und Ausbildung. Als Beispiele nannte Bingener Länder wie Myanmar, den Südsudan, Gaza, Syrien und den Libanon. Dort zerstörten Krieg und Gewalt die Zukunftsaussichten von Millionen junger Menschen. Wo staatliche Bildungssysteme zusammenbrächen, habe dies langfristig destabilisierende Folgen für die Gesellschaft. Das Hilfswerk verlangte daher, Bildung als Teil einer dauerhaften und nachhaltigen Friedenspolitik zu betrachten und zu integrieren.