Die unabhängige Studie zu Missbrauch an Minderjährigen im Erzbistum Paderborn soll im kommenden Monat präsentiert werden. Die Studie, die die Zeit von 1941 bis 2002 in den Blick nimmt, wird am 12. März von der Universität veröffentlicht, wie die Universität Paderborn am Freitag ankündigte. Im Auftrag des Erzbistums Paderborn sind seit Anfang 2020 Wissenschaftlerinnen der Universität Paderborn mit der historischen Studie befasst. Die Studie beleuchtet die Amtszeiten der Erzbischöfe Lorenz Jaeger (1892-1975) und Johannes Joachim Degenhardt (1926-2002).
Für die auf fünf Jahre angelegte unabhängige historische Studie seien umfangreiches Material gesichtet und Interviews mit Zeitzeugen und Betroffenen geführt worden, erklärte die Universität. Ein zweites Forschungsprojekt untersucht seit 2023 zudem die Amtszeit von Erzbischof Hans-Josef Becker von 2002 bis 2022. Die Ergebnisse dieses Teilprojekts sollen voraussichtlich 2027 veröffentlicht werden.
Bereits eine Zwischenbilanz habe gezeigt, dass Kirche und Gesellschaft bei Missbrauch systematisch weggesehen und Straftaten in mehreren Fällen billigend in Kauf genommen hätten, erklärte die Universität. Beschuldigte Kleriker seien nur selten sanktioniert worden. Mitgefühl für die Betroffenen habe es kaum gegeben.
Das Erzbistum Paderborn kündigte für die vertiefte Auseinandersetzung mit der Studie Informations- und Unterstützungsangebote an. Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz werde beim Jahrestreffen von betroffenen Menschen im Erzbistum in Austausch über die Studienergebnisse gehen. Zudem soll es regionale Versammlungen in Dortmund, Schmallenberg und Rheda-Wiedenbrück geben. Dabei soll es die Möglichkeit zum Austausch mit Vertretern des Erzbistums sowie mit Mitgliedern der Betroffenenvertretung geben, wie es hieß.
Die Veröffentlichung der Studie bewege und verunsichere viele Menschen, erklärte Bentz. „Wir möchten mit möglichst vielen ins Gespräch kommen über die Ergebnisse.“ Das Thema Missbrauch sei ein Teil der Wirklichkeit „unserer Kirche“. Es sei wichtig, darüber gemeinsam zu reden.