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Unicef: Dramatische Lage im Kongo – Ruf nach humanitären Korridoren

Im Osten der Demokratischen Republik Kongo spitzt sich die Lage immer weiter zu. Hilfsorganisationen schlagen Alarm und warnen auch vor dem Ausbruch schwerer Krankheiten.

Die Kinderhilfsorganisation Unicef berichtet von einer immer dramatischeren Lage nach der Eskalation der Kämpfe im Ostkongo. Das UN-Hilfswerk mahnt einen besseren Schutz von Kindern an und warnt vor einem Ausbruch der Cholera.

Vor den Kämpfen zwischen einer von Ruanda unterstützten Miliz und den Regierungstruppen und ihren Helfern seien Hunderttausende geflohen, sagte Unicef-Regionalsprecher Ostafrika, Jean-Jacques Simon, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch). Mindestens 4,5 Millionen Menschen in der Region seien Vertriebene. Der Zugang der Hilfsorganisationen sei beschränkt, da Flughäfen geschlossen, Häfen nicht zugänglich und Straßen nur eingeschränkt nutzbar seien.

70 Prozent der Betroffenen seien Frauen und Kinder, fügte er hinzu: “Die Kinder leiden am allermeisten. Zahlreiche Kinder werden von Angriffen oder bei Schusswechseln getötet. Viele verlieren Angehörige oder werden während ihrer Flucht von ihren Eltern oder ihrer Familien getrennt und blieben alleine zurück.”

Der kritischste Punkt – vor allem für die Kinder – sei der Wassermangel, ergänzte Simon: “Die Menschen behelfen sich mit Seewasser. Es besteht die Gefahr eines Cholera-Ausbruchs. Das ist eine unserer größten Sorgen. Wir müssen die Kinder dringend wieder erreichen, schützen und versorgen können.” Die Konfliktparteien müssten den Hilfsorganisationen ihre Arbeit ermöglichen und “ihre Kämpfe beenden oder zumindest humanitäre Korridore einrichten”.

Auch Caritas international sprach am Dienstag von einer dramatischen humanitären Lage. Es gebe immer neue Kämpfe; die Krankenhäuser seien mit Verletzten überfüllt. Doch trotz der gefährlichen und unübersichtlichen Lage wolle man weiterhin humanitäre und medizinische Hilfe leisten.

Die Diakonie Katastrophenhilfe sprach von einem neuen Höhepunkt der Gewalt. Diese werde seit Jahren hingenommen und weitgehend ignoriert. Dabei seien alleine im vergangenen Jahr drei Millionen Menschen vertrieben worden. Auch Geflüchtete seien nicht in Sicherheit.

Der Ost-Kongo verfügt über zahlreiche Bodenschätze wie Gold, Diamanten, Kobalt und Coltan. Die Region ist seit Jahrzehnten umkämpft. Die Kämpfe zwischen der kongolesischen Armee und den M23-Rebellen in Nord-Kivu flammten zuletzt im Jahr 2021 wieder auf.