UN: 1.200 Kleinkinder im Sudan an Masern und Hunger gestorben

Wegen des anhaltenden Machtkampfs im Sudan droht vielen Kindern der Tod durch Krankheiten und Hunger. Allein in neun Flüchtlingslagern im Bundesstaat Weißer Nil starben in den vergangenen drei Monaten mehr als 1.200 Kleinkinder infolge eines mutmaßlichen Masern-Ausbruchs und starker Unterernährung, wie das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) und die Weltgesundheitsorganisation WHO am Dienstag in Genf mitteilten. Neben Masern würden auch Verdachtsfälle von Cholera, Dengue-Fieber und Malaria aus unterschiedlichen Landesteilen gemeldet.

„Die Welt hat die Mittel und das Geld, jeden dieser Todesfälle durch Masern oder Unterernährung zu verhindern“, sagte UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi. Die Kinder stürben als Folge eines verheerenden Konflikts und mangelnder globaler Aufmerksamkeit. Auch WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus verlangte Unterstützung der Staatengemeinschaft: „Wir appellieren an die Geber, großzügig zu sein, und an die Konfliktparteien, medizinisches Personal zu schützen und den Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle Bedürftigen zu gewährleisten.“

Gesundheitseinrichtungen im Sudan stünden vor dem Zusammenbrechen, erklärten die UN-Organisationen. Es mangele an Personal, lebensrettenden Medikamenten und Ausstattung. Wiederholt seien Mitarbeiter, Patienten und Medikamententransporte angegriffen worden.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef warnte, dass in den kommenden Monaten Zehntausende Neugeborene sterben könnten. Von Oktober bis Dezember rechne man mit 333.000 Geburten im Sudan. Angesichts des Konflikts und der Massenvertreibungen werde eine qualifizierte Versorgung der Mütter und der Babys immer unwahrscheinlicher.

Schon jetzt müssten jeden Monat 55.000 Kinder wegen lebensbedrohlicher Unterernährung behandelt werden, so Unicef. Dabei funktioniere in der Hauptstadtregion Khartum nicht einmal eines von 50 Spezialzentren, in West-Darfur nur eines von zehn.