Er war der erste Nicht-Priester auf einem Lehrstuhl für katholische Moraltheologie: Dietmar Mieth wird 85. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er einen Roman – über eine als Ketzerin hingerichtete Mystikerin.
Dietmar Mieth, einer der renommiertesten deutschen Ethiker, wird am Dienstag 85 Jahre alt. Der im Saarland aufgewachsene katholische Theologe war 1974 weltweit der erste Nicht-Priester auf einem Lehrstuhl für Moraltheologie. Nach wie vor ist er als Autor tätig und hält Vorträge – insbesondere über den spätmittelalterlichen Philosophen Meister Eckhart und seine Zeitgenossin, die 1310 in Paris als Ketzerin hingerichtete Mystikerin Marguerite Porete.
Mieth fühlt sich der “Autonomen Moral” verpflichtet, die bei der Erfahrungswirklichkeit der Menschen ansetzt. In Tübingen baute der Forscher das fakultätsübergreifende Zentrum Ethik in den Wissenschaften auf, das er von 1990 bis 2001 leitete.
Ab 1967 war er Assistent von Alfons Auer in Tübingen, bei dem er habilitierte. 1981 kehrte er nach sieben Jahren von der Universität im schweizerischen Fribourg nach Tübingen zurück und lehrte dort bis zu seiner Emeritierung 2008. Nach dem Tod seiner Ehefrau zog Mieth in die Nähe seiner Tochter nach Bochum.
Der zweifache Vater war Mitglied verschiedener hochrangiger Ethik-Kommissionen und wurde immer wieder von politischer Seite um Rat gebeten. Mieths Schwerpunkte waren Fragen des technologischen und medizinischen Fortschritts sowie die Zusammenhänge zwischen Arbeitswelt und Kapital. Der Wissenschaftler befasste sich auch intensiv mit Sport. So gab er das “Lexikon der Ethik im Sport” heraus. 2024 erschien unter dem Titel “Jede Wende – ein Anfang” eine Sammlung seiner theologischen-ethischen Kommentare.
Zudem war Mieth Vizepräsident der Meister-Eckhart-Gesellschaft, die sich um dessen geistiges Erbe kümmert. Nach dem Ausscheiden in Tübingen leitete er bis 2022 die Forschungsstelle Meister Eckhart am Max-Weber-Kolleg der Uni Erfurt.
2024 veröffentlichte der Theologe den Roman “Ketzerflammen in Paris: Marguerite Porete, Meister Eckhart und die Intrigen der Inquisition”. Darin erzählt er die Geschichte Poretes, die als Frau ein religiöses Lehrbuch verfasst hat und mit der männlich dominierten Gesellschaft in Konflikt geriet. Auf Mieths Initiative hin wurde zum Gedenken an Poret im vergangenen Juni in Paris ein Platz nach ihr benannt; bei der Feier hielt er die Ansprache.