Trauma-Experte für Aufnahme schutzbedürftiger jesidischer Kinder

Jan Ilhan Kizilhan plädiert dafür, dass jesidische Mütter mit ihren Kindern über ein Sonderkontingent nach Deutschland kommen dürfen. Dabei setzt er auf breite Unterstützung.

Flüchtlingscamp für jesidische Binnenflüchtlinge in Dohuk, Irak (Archivfoto)
Flüchtlingscamp für jesidische Binnenflüchtlinge in Dohuk, Irak (Archivfoto)imago/photothek

Der Psychologe Jan Ilhan Kizilhan hofft auf ein bundesweites Sonderkontingent zur Aufnahme besonders schutzbedürftiger Jesidinnen mit ihren Kindern aus dem Nordirak in Deutschland. Der Experte für Traumafolgestörungen betreut in Baden-Württemberg und im Irak jesidische Mädchen und Frauen, die in Gefangenschaft der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) waren, und sagte im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Die Anerkennung des Völkermordes durch den Bundestag könnte den Anstoß dazu geben.“

Der Bundestag hat die Anerkennung des Völkermordes an den Jesiden beschlossen. Im Antrag der Fraktionen von SPD, Grünen, FDP und Union wird die Bundesregierung auch dazu aufgefordert, die „besonders vulnerable Situation“ von Kindern, die nach Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen durch IS-Kämpfer entstanden, im Fokus zu behalten und deren Integration in die jesidische Gemeinschaft zu unterstützen.

Kinder sind schutzlos

Kizilhan betonte, dass die Kinder im Irak keinerlei Schutz hätten. „Die irakische Regierung sagt, die Kinder sind Muslime und dürfen nicht von Jesidinnen erzogen werden. Jesidische Gemeinden sagen wiederum, wir wollen die Kinder nicht.“ Daher plädiere er dafür, dass die Mütter und Kinder über ein Sonderkontingent nach Deutschland kämen. „Alle Parteien, mit denen ich im Gespräch bin, haben sich schon dafür ausgesprochen.“ In Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen stehe ein solches Ansinnen zudem in den Koalitionsverträgen.

Jan Ilhan Kizilhan, Traumaexperte (Archivfoto)
Jan Ilhan Kizilhan, Traumaexperte (Archivfoto)imago/Future Image

Kizilhan hat schon 2016 das baden-württembergische Sonderkontingent für gut 1.000 schutzbedürftige Frauen und Kinder aus dem Nordirak mitbetreut, über das auch Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad nach Deutschland kam. Der Psychologe sagte, fast alle seien froh, in Deutschland zu sein, viele hätten Abitur gemacht oder eine Berufsausbildung. „Sie wissen, dass sie nicht mehr zurückkehren werden.“