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Tierschützer warnen: Haustiere sind kein Weihnachtsgeschenk

„Eine Playstation. Eine Lego-Polizei. Einen Hund.“ Die meisten Kinder haben ihre Weihnachts-Wunschzettel längst geschrieben, jetzt liegt es an den Eltern, die Wünsche zu erfüllen. Den Hund sollten sie jedoch von der Liste streichen, denn Tiere sind kein Weihnachtsgeschenk, betonen Tierschützer.

„Die Anschaffung eines Heimtieres sollte stets gut überlegt sein und niemals aus einem Impuls heraus erfolgen“, mahnt Sabrina Karl, Heimtier-Expertin bei der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ (Hamburg). Wer ein Heimtier bei sich aufnehme, gehe eine jahrelange Verpflichtung ein. Tiere brächten zwar viel Freude, aber auch viel Arbeit und finanzielle Verpflichtungen mit sich. „Wie sehr manche Menschen dies unterschätzen, zeigt sich leider immer wieder daran, dass noch zuvor leichtfertig verschenkte Tiere nach den Feiertagen einfach ausgesetzt oder ins Tierheim abgegeben werden“, sagt Karl.

Der Hamburger Tierschutzverein (HTV), Betreiber des Tierheims Süderstraße, geht legt vorsorglich eine Vermittlungspause ein: „Unsere Tiere sollen nicht als unüberlegte Geschenke unter dem Weihnachtsbaum und dann möglicherweise wieder bei uns im Tierheim landen“, sagt HTV-Vorsitzende Janet Bernhardt. Vom 20. Dezember bis zum 3. Januar gebe es keine Vermittlungen.

Bernhardt rät dazu, Kindern die Hintergründe klarzumachen: „Ein Tier benötigt lebenslang Fürsorge, Zeit und Aufmerksamkeit – das muss man auch Kindern erklären, bei denen ein tierischer Freund auf dem Wunschzettel steht.“ Es müsse vorab klar sein, wer das neue Familienmitglied im Krankheitsfall oder im Urlaub versorgt.

Laut Deutschem Tierschutzbund (Bonn) würden Eltern nicht selten erleben, dass die Versorgung des Tieres an ihnen hängen bleibt, obwohl die Kinder versprochen hatten, die Katzentoilette oder das Kaninchengehege zu reinigen. „Es ist ein Trugschluss zu glauben, ein Kind könne allein die Verantwortung für ein Tier übernehmen – diese liegt immer bei den Eltern“, sagt Tierschutzbund-Sprecherin Lea Schmitz. Umso wichtiger sei es, die Anschaffung eines Tieres gut zu überlegen.

Wollen Familien nach langer Überlegung und der Abwägung aller Vor- und Nachteile ein Tier bei sich einziehen lassen, sollten sie die Feiertage abwarten, appelliert „Vier Pfoten“. Diese Tage seien häufig sehr stressig, oft mit viel Besuch verbunden, und die Tagesabläufe seien oft anders als sonst üblich.

Der Tierschutzbund empfiehlt deshalb, zu Weihnachten lieber einen Tierratgeber zum Lesen zu verschenken und das Tier selbst erst später anzuschaffen. Im Tierheim lasse sich dann mit Sicherheit ein passender tierischer Mitbewohner finden.

Sowohl der HTV als auch „Vier Pfoten“ raten dringen davon ab, Tiere über Online-Plattformen oder Social Media-Offerten anzuschaffen. Dort würden häufig Tiere aus illegalem Welpenhandel angeboten, erläutert „Vier Pfoten“. Der HTV warnt, hinter dortigen Tierverkaufsanzeigen steckten oft katastrophale Haltungs- und Zuchtbedingungen. Neben illegal gehandelten Welpen betreffe das auch andere Tiere.

Als Alternative zur Anschaffung eines Tieres empfehlen Tierschutzbund und „Vier Pfoten“ eine symbolische Tier-Patenschaft, etwa für ein Tier im Tierheim. In vielen Tierheimen könnten sich Tierliebhabende auch als Gassigeherin oder Gassigeher engagieren oder regelmäßig zum Katzenstreicheln vorbeikommen. Interessierte sollten sich in ihrem regionalen Tierheim über Möglichkeiten informieren.