Synodaler Weg in der Sackgasse

Stoppsignal aus Rom: Der Vatikan sagt Nein zu einem der Kernelemente des Reformprojekts Synodaler Weg der katholischen Kirche. Die Mehrheit der Bischöfe und Laien will trotzdem weitermachen.

Bei den Treffen des Synodalen Wegs beraten mehr als 200 ehrenamtliche Laien, Mitarbeiter der katholischen Kirche, Priester und Bischöfe über Reformen, hier im September 2022 in Frankfurt
Bei den Treffen des Synodalen Wegs beraten mehr als 200 ehrenamtliche Laien, Mitarbeiter der katholischen Kirche, Priester und Bischöfe über Reformen, hier im September 2022 in Frankfurtepd-bild/Michael Schick

Der Vatikan hat die Spielräume für Kirchenreformen in Deutschland deutlich eingeschränkt. Ein am Montagabend bekanntgewordenes Schreiben erteilt der Errichtung eines bundesweiten Synodalen Rates, der im Kern Laien mehr Mitbestimmung einräumt, eine klare Absage. Gleiches gilt für ähnliche Gremien auf Pfarrei- oder Bistumsebene. Der Brief aus dem vatikanischen Staatssekretariat an die deutschen Bischöfe ist mit ausdrücklicher Billigung durch den Papst abgefasst. Franziskus habe ihn „approbiert“, was die Rechtsverbindlichkeit festschreibt.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, kündigte daraufhin an, trotzdem an den Plänen festzuhalten. Diese fußen auf Beschlüssen des Reformprojekts Synodaler Weg zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland, das im März endet. Der vorbereitende Synodale Ausschuss sei „durch das römische Schreiben nicht infrage gestellt“, so Bätzing. Auch der Synodale Rat werde sich „innerhalb des geltenden Kirchenrechts bewegen“. Seine Position werde von der Mehrheit der Bischöfe mitgetragen.

„Wenig überraschendes Aus“

Der Rat soll sich als neues bundesweites Beratungs- und Leitungsorgan mit „wesentlichen Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft“ befassen. Dabei sollen Bischöfe, Priester und Laien gemeinsam über kirchliche Grundsatzfragen und über den Einsatz finanzieller Mittel beraten und entscheiden. Der Rat soll die beim Synodalen Weg begonnenen Beratungen zwischen Bischöfen und Laien über zentrale Fragen verstetigen.

Ausdrücklich hält das Schreiben aus Rom mit Blick auf den Synodalen Rat beziehungsweise den Ausschuss fest: Weder der Synodale Weg noch ein von ihm eingesetztes Organ noch eine nationale Bischofskonferenz sei befugt, ein Gremium einzurichten, das die Autorität der Bischöfe beschneide. Der Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke sieht in diesen Formulierungen „das wenig überraschende Aus“ für die geplanten Gremien.

Papst Franziskus hat das Schreiben aus Rom rechtsverbindlich gemacht
Papst Franziskus hat das Schreiben aus Rom rechtsverbindlich gemachtIMAGO/ZUMA Wire

Anlass für den Brief war eine – bisher auch den anderen Bischöfen nicht bekannte – Anfrage der Erzbischöfe und Bischöfe von Köln (Rainer Maria Woelki), Eichstätt (Gregor Maria Hanke), Augsburg (Bertram Meier), Passau (Stefan Oster) und Regensburg (Rudolf Voderholzer) an den Vatikan, ob sie verpflichtet seien, an diesem Synodalen Ausschuss mitzuarbeiten. Darauf antwortete nun der Vatikan.

Rückendeckung bekam Bätzing vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das mit der Bischofskonferenz zusammen den Synodalen Weg 2019 als Reaktion auf den Missbrauchsskandal und die Kirchenkrise ins Leben gerufen hatte. „Das Bischofsamt wird durch den geplanten Ausschuss gestärkt, nicht geschwächt. Ich bin froh zu sehen, dass die überwältigende Mehrheit der deutschen Bischöfe am Synodalen Weg festhält“, erklärte ZdK-Präsidentin Imre Stetter-Karp.

Grenze gesetzt

Theologe Thomas Söding, ebenfalls Präsidiumsmitglied des Synodalen Wegs, erklärte: „Der Brief aus Rom setzt eine Grenze. Aber was er ausschließt, ist … gar nicht beschlossen werden. Weder wird die Bischofskonferenz aufgelöst noch de facto einer kirchlichen Oberbehörde namens Synodaler Rat unterstellt.“

Der Münsteraner Bischof Felix Genn sagte, er halte daran fest, „dass die Kirche der Zukunft eine synodale Kirche sein muss“. Synodalität werde im Bistum Münster bereits seit vielen Jahren auf sehr unterschiedlichen Ebenen praktiziert und in Zukunft weiter verstärkt. Aachens Bischof Helmut Dieser erklärte, es gebe verschiedene Überlegungen, im Bistum synodale Beratungsformen sicherzustellen, die dem Kirchenrecht entsprechen: „Ein Diözesanbischof hat durchaus das Recht, synodale Beteiligung dementsprechend zu regeln.“

Woelki begrüßt Brief

Unterdessen begrüßte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki das Schreiben aus dem Vatikan. Es diene der Klärung, wie die weiteren Gespräche stattfinden können und sollen, erklärte er auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Reformen seien für die katholische Kirche zwar sinnvoll und notwendig, insbesondere zur Verhinderung sexualisierter Gewalt, mögliche Neuerungen müssten aber stets im Einklang und in Einheit mit der Weltkirche stehen. Ähnlich äußerte sich der Augsburger Bischof Bertram Meier. Er nehme den Brief aus Rom sehr ernst. Letztlich gehe es darum, ob der angedachte Synodale Rat, der durch den Synodalen Ausschuss vorbereitet werden soll, dem katholischen Kirchenverständnis entspreche.