Hoher Konsum, schwache Regeln: Eine Suchtforscherin hält die deutsche Alkoholpolitik in großen Teilen für wirkungslos. Warum sie höhere Steuern und klare Verbote fordert.
Die Suchtforscherin Carolin Kilian fordert höhere Steuern auf Alkohol und eine Abschaffung des “begleiteten Trinkens” für Jugendliche ab 14 Jahren. “Deutschland ist ein Hochkonsumland mit unzureichender Alkoholpolitik. Es bewegt sich auf den hintersten Rängen”, sagte die Professorin am Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung der Uni Hamburg der Tageszeitung “taz”. Besonders defizitär sei die Umsetzung von Maßnahmen in den drei zentralen Bereichen Besteuerung, Verfügbarkeit und Marketing von alkoholischen Getränken.
Kilian war Mitglied der Expertengruppe, die den im Dezember vorgestellten “Public Health Index” im Auftrag des AOK-Bundesverbandes erstellt hat. Deutschland belegte darin im Vergleich mit 17 Staaten in Nord- und Zentraleuropa den vorletzten Platz bei der Gesundheitsprävention.
Kilian kritisierte die aktuelle Alkoholbesteuerung: “Gerade die Biersteuer ist so gering, dass sie de facto keinen Einfluss auf den Preis hat. Damit ist die Steuer wirkungslos – und Wein wird in Deutschland gar nicht besteuert.” Skandinavische Länder, insbesondere Norwegen und Finnland, die im Ranking deutlich besser abschnitten, hätten deutliche höhere Alkoholsteuern und im Falle von Norwegen auch ein Verbot für Alkoholmarketing.
Scharf kritisierte die Forscherin die deutsche Regelung, dass Jugendliche ab 14 Jahren in Begleitung eines Erziehungsberechtigten Alkohol trinken dürfen: “Es gibt kein anderes Land, das eine solche Regelung hat, und es ist längst überfällig, sie abzuschaffen. Die Entwicklung geht eher dahin, dass mehr und mehr Länder das Mindesterwerbsalter für Alkohol anheben, auf einheitlich 18 oder sogar 20 Jahre.” Die Bundesregierung plant einen Gesetzesentwurf zum Verbot des begleiteten Trinkens.