Die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie zur Geschichte der Sinti und Roma in Schleswig-Holstein sind vorgestellt worden. Insbesondere die Verfolgung und Vertreibung der Minderheitengruppe während der Zeit des Nationalsozialismus stünden im Vordergrund der wissenschaftlichen Aufarbeitung, teilte der Schleswig-Holsteinische Landtag am Montag mit.
„Von etwa 500 Sinti und Roma, die im Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein lebten, wurden mehr als die Hälfte im Mai 1940 ins besetzte Polen deportiert“, sagte Marc Buggeln von der mit der Studie beauftragten Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History der Europa-Universität Flensburg.
Etwa ein Drittel bis die Hälfte der Verschleppten sei in Polen ums Leben gekommen. „Täter
waren vornehmlich Polizeibeamte“, sagte Buggeln. Die Studie habe erstmals eine größere Zahl von Tätern in Schleswig-Holstein mit Namen und Berufsbiografien benennen können.
Außerdem habe die Studie eine systematische Untersuchung zur Entschädigungs- und
Rückerstattungspraxis gegenüber den Angehörigen der Sinti und Roma in Schleswig-Holstein betrieben. Dies habe gezeigt, dass Angehörige der Minderheit sehr viel „selbstbewusster und ausdauernder“ ihre Rechte einklagten als bisher angenommen.
Dies spiegele sich auch im Erfolg der Klagen wider. 81 Prozent der Antragstellenden hätten zumindest einen Teilanspruch geltend machen können, dies sei mehr als frühere Forschungen vermuten ließen. Trotzdem „mussten sie dafür oft lange kämpfen und erhielten häufig nur geringe Summen zugesprochen“, sagte Buggeln.
Als Teil der Studie seien unter anderem fünf Interviews mit Sinti und Roma aus Schleswig-Holstein geführt worden. Die Geschichten der Interviewten hätten die Verbindung zwischen dem Genozid anhand der Nationalsozialisten und persönlichen Rassismuserfahrungen aufgezeigt. Die Verfolgung und das damit verbundene Leid wirke noch immer deutlich nach.
Die Forschungsergebnisse bildeten eine Grundlage, um sich weiter mit der Geschichte der Sinti und Roma in Schleswig-Holstein zu befassen, hieß es. „Und um ihre Geschichte als Teil Schleswig-Holsteins noch besser zu begreifen und sie vor allem anhand der geschilderten Lebenswege auch besser zu vermitteln“, sagte Landtagspräsidentin Kristina Herbst (CDU).
Der Schleswig-Holsteinische Landtag hatte die Aufarbeitung der Geschichte der Sinti und Roma im Bundesland im Januar 2022 einstimmig beschlossen.