Mindestens 344 Menschen sind seit 1973 im Verantwortungsbereich des Verbands Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) Opfer sexualisierter Gewalt geworden. Zu diesem Ergebnis kommt eine sozialwissenschaftliche Studie, die das Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) München gemeinsam mit Dissens – Institut für Bildung und Forschung e.V. in der Bundeszentrale des VCP in Kassel vorstellte. Untersucht wurden das Ausmaß sexualisierter Gewalt sowie der institutionelle Umgang des Verbands damit.
Grundlage der Studie sind den Angaben zufolge 79 qualitative Interviews mit ehemaligen und aktuellen VCP-Mitgliedern sowie Aktenmaterial im Umfang von rund 1.300 Seiten zu 100 Verdachts- und Gewaltfällen. Rund 60 Prozent der Betroffenen sind demnach Mädchen, knapp 40 Prozent Jungen, mehr als ein Prozent diverse Personen. Zwei Drittel der Betroffenen seien bei Tatbeginn zwischen 13 und 17 Jahre alt gewesen.
Sexualisierte Gewalt: Betroffene fordern offene Aufklärung
Mindestens 161 Personen hätten sexualisierte Gewalt verübt oder seien dessen beschuldigt, überwiegend Männer. Nahezu die Hälfte der Taten sei nach dem Jahr 2000 begangen worden, mehr als die Hälfte bei Lagern oder auf Fahrten. In über einem Drittel der Fälle kam es laut der Studie zur Vergewaltigung. Betroffene berichteten während der Vorstellung der Studie von schweren Folgen. Miriam Glas etwa sagte: „Im Bericht habe ich gelesen, dass typische Verhaltensmuster bei Betroffenen Schuldumkehr und Selbstvorwürfe sind. So habe ich das auch erlebt.“ Sie ermutigte andere Betroffene: „Macht den Mund auf.“
Louisa Kreuzheck, Präventionsbeauftragte des VCP, erklärte: „Der Abschlussbericht zeigt deutlich: Im VCP haben Menschen sexualisierte Gewalt erfahren.“ Peter Keil vom VCP-Bundesvorstand sagte: „Dieser Verantwortung stellen wir uns.“
