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Studie: Alternde Zootiere gefährden Ziele des Artenschutzes

Die Säugetiere in europäischen und nordamerikanischen Zoos werden immer älter und gefährden durch mangelnden Nachwuchs den Bestand der sogenannten Reservepopulation. Das bedrohe eine zentrale Aufgabe moderner Zoos, die eigentlich eine wichtige Rolle in der Aufzucht von Jungtieren spielten, gab die Goethe-Universität am Donnerstag in Frankfurt am Main bekannt.

An der Studie haben sich den Angaben zufolge die Universitäten Frankfurt, Zürich und Aarhus sowie die Zoos Zürich und Kopenhagen beteiligt. Die Forscher untersuchten demnach die Altersentwicklung von 774 Säugetierpopulationen in Zoos zwischen 1970 und 2023. Dafür werteten sie Daten der internationalen Datenbank „Species360“ aus, die von über 1.200 Zoos weltweit genutzt werde. Nach Angaben der Goethe-Universität haben das Alter, das Geschlecht, die Abstammung, die Herkunft sowie der Reproduktionsstatus eine wichtige Rolle für die Auswertung gespielt.

Die Demografie der Tiere habe aber nicht nur die unmittelbare Senkung der Geburtenrate zur Folge, sondern auch eine höhere Anfälligkeit für Krankheiten, weil jüngere, widerstandsfähige Exemplare fehlten. In Populationen, in denen es keine fortpflanzungsfähigen Weibchen mehr gibt, beeinträchtige das auch die Sozialstruktur. Die Fortpflanzung und das Großziehen von Jungen zähle zu den Grundbedürfnissen von Tieren und seien elementare Bestandteile einer artgerechten Haltung.

Die vorliegende Entwicklung beunruhige die Forschenden, resümierte die Goethe-Universität. Der Frankfurter Zootierbiologie Paul W. Dierkes betonte: „Das Populationsmanagement der Zoos sollte stärker auf demografische Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Nur wenn es gelingt, den aktuellen Trend zur Überalterung umzukehren, können Zoos ihren Beitrag zum internationalen Artenschutz dauerhaft erfüllen.“