Marktkirche in Hannover

Streit um Reformationsfenster verschärft sich

100 Unterschriften gegen das neue Fenster hat eine Initiative beim Kirchenvorstand eingereicht. Findet jetzt eine Gemeindeversammlung statt?

Künstler Markus Lüpertz (li.) und Altkanzler Gerhard Schröder begutachten das Fenster in der Glasmanufaktur "Derix Glasstudios" in Taunusstein bei Frankfurt

von Michael Grau

Hannover. Der Widerstand gegen den geplanten Einbau des von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) gestifteten Reformationsfensters in die Marktkirche in Hannover wächst. Gegner des Kunstwerks haben dem Kirchenvorstand inzwischen hundert Unterschriften vorgelegt, sagte Daniel von dem Knesebeck vom Verein „Initiative für die Bewahrung und Gestaltung der Marktkirche“ dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ebenso wie der Architekten-Erbe Georg Bissen wollen sie die Installation verhindern, weil es aus ihrer Sicht nicht in die spätgotische Backsteinkirche passt. Hier haben die Kritiker eine Petition gestartet.

Das zwölf Meter hohe Buntglasfenster, das vom Künstler Markus Lüpertz entworfen wurde, ist von der Glasmanufaktur Derix im hessischen Taunusstein bereits fertiggestellt worden. Schröder und Lüpertz haben es dort schon begutachtet und abgenommen. Das Kunstwerk zeigt eine große weiße Figur, die den Reformator Martin Luther darstellen soll, sowie viele andere Motive mit Bezug zur Reformation. Für kontroverse Diskussionen sorgen vor allem fünf große schwarze Fliegen, die für das Böse und die Vergänglichkeit stehen. Die im 14. Jahrhundert errichtete Marktkirche ist die größte und älteste Kirche in Hannover und gilt als ein Wahrzeichen der Stadt.

„Keine Experimente in der Marktkirche“

Die Gegner fordern zuerst ein Gesamtkonzept zur Gestaltung der Kirche, bevor es bauliche Veränderungen gibt. Mit den über hundert Unterschriften könnten sie nun eine Gemeindeversammlung erzwingen, sagte Knesebeck. Diese könne dann über das Konzept entscheiden. „Ich persönlich könnte mir sehr gut ein Gesamtkonzept mit zehn neuen Buntglasfenstern vorstellen“, sagte der Vereinssprecher. Diese müssten aber der spirituellen Erbauung dienen: „Die Marktkirche ist keine Galerie oder irgendein Museum, in dem man Künstler lustig und wild mit Provokationen experimentieren lässt.“


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Scharfe Kritik übte Knesebeck am künstlerischen Konzept der schwarzen Fliegen. Eine solche Darstellung des Bösen und des Teufels passe nicht in eine Kirche. Entschieden wandte er sich auch gegen eine Äußerung von Markus Lüpertz, der gesagt hatte, über Gott stehe noch der Künstler. Wer so etwas behaupte, den könne keine Gemeinde mit der Gestaltung einer Kirche beauftragen. Für ein „Sakrileg“ hält es der Verein, „dass die Marktkirche einem Altkanzler ihre Südfassade wie eine Plakatwand verhökert“. Das Kunstwerk sei der Marktkirche unwürdig und werde auch dem Reformator Luther nicht gerecht.

Die Kosten für das Fenster werden auf rund 150.000 Euro geschätzt. Schröder, Ehrenbürger von Hannover, hat sie bereits beglichen. Der frühere Bundeskanzler wollte dafür Vortragshonorare weitergeben. Anlass für das Geschenk war das Reformationsjubiläum 2017.

Entscheidung naht

Ob das Fenster eingebaut werden darf, entscheidet demnächst das Oberlandesgericht Celle. Der Architekten-Erbe Bissen hat Beschwerde dagegen eingelegt. Sein verstorbener Stiefvater Dieter Oesterlen hatte die im Krieg zerstörte Marktkirche nach 1946 wiederaufgebaut und neu gestaltet. In erster Instanz hatte das Landgericht Hannover im Januar den Einbau erlaubt. Es bestätigte damit einen Beschluss des Kirchenvorstands. (epd)

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