Ökumenisch-ökologische Wanderung in Osnabrück

Spuren der Umkehr

„Vom Krieg zum Frieden – Spuren der Umkehr in Osnabrück“ – unter diesem Titel wird zu einer ökologisch-ökumenischen Wanderung eingeladen. Besucht werden Orte aus Kriegszeiten, die zu friedlichen Zwecken umgewandelt wurden.

Da geht's lang! In Osnabrück wird gewandert

von Bettina Albrod

Osnabrück. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Osnabrück (ACKOS) lädt für Samstag, 17. September, zu ihrer 12. Ökumenisch-ökologischen Wanderung durch Osnabrück ein. Die Tour unter dem Titel „Vom Krieg zum Frieden – Spuren der Umkehr in Osnabrück“ führt an verschiedenen Stationen wie Kriegsgedenkstätten, ehemaligen Rüstungsbetrieben und Gefangenenlagern vorbei, die heute einer neuen Nutzung zugeführt werden. Begleitet wird die rund 15 Kilometer lange Wanderung mit Kurzandachten, Erläuterungen, Liedern und Gesprächen zwischen Menschen unterschiedlicher Konfessionen.

Geprägt ist Osnabrück vom Westfälischen Frieden, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendete. „Heute finden sich viele verschiedene Glaubensrichtungen in der Stadt, darunter neben der evangelisch-lutherischen, der katholischen und der reformierten Kirche auch die serbisch-orthodoxe Kirche, Baptisten und viele Freikirchen“, erläutert Gisela Löhberg, die die Wanderungen organisiert. Angehörige aller Glaubensrichtungen sind eingeladen, sich miteinander auf den Weg zu machen, der jedes Jahr unter einem anderen Motto steht. „Dabei bereichert man sich gegenseitig und es ist ein niederschwelliges Angebot, um am internationalen Tag der Schöpfung miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagt Gisela Löhberg.

Für friedliche Zwecke umgewandelt

Als „Anweg“ zur Vorbereitung des „2. Ökumenischen Kirchentags der Region Osnabrück 2023“ führt der Weg in diesem Jahr an Spuren des Krieges vorbei, die für friedliche Zwecke umgewandelt werden. „Viele Flächen in Osnabrück, die früher militärisch genutzt wurden, werden heute einer anderen Nutzung zugeführt“, erläutert die Organisatorin.

Früher Kaserne, heute Park

So war „Am Limberg“ die größte ehemalige Kaserne der britischen Streitkräfte in Osnabrück. Dort entsteht jetzt ein Park mit Platz für Gewerbe, Freizeit und Sport. „Die Winkelhausenkaserne diente der Wehrmacht ab 1938 als Heerespflegeamt, Ende des Zweiten Weltkrieges ging die Kaserne in britische Hände über.“

Die Baracke 35 in Osnabrück wird heute als Informations- und Begegnungshaus genutzt Foto: Gisela Löhberg

Konversion lautet das Stichwort, unter dem das Gelände wie die Kaserne „Am Limberg“ eine neue Nutzung erhalten soll, in dem Fall als Dienstleistungs- und Gewerbepark. „Dort gibt es viele Speicher, die in laute und leise Speicher unterteilt sind“, erklärt Gisela Löhberg. „In den leisen sind Büros, die lauten Speicher dienen Bands zum Proben; dort hat sich mittlerweile ein alternatives Kulturleben entwickelt.“

Baracke gegen den Krieg

Mit dabei ist Pastor Matthias Binder, der gemeinsam mit seiner Frau die Stelle „Friedensort Osnabrück“ (FOOS) bekleidet, die Frieden und Gerechtigkeit in den Fokus der kirchlichen Arbeit stellt. Er wird die Quebec-Kaserne vorstellen: Sie diente als Kriegsgefangenenlager für Offiziere, die ab 1941 überwiegend aus dem ehemaligen Königreich Jugoslawien stammten. „Nach dem Krieg sind viele Menschen in Osnabrück geblieben, daraus hat sich die serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde entwickelt“, erklärt Pastor Binder. „Die Kaserne war außerdem deutschlandweit der Ort, wo noch am längsten jüdische Feste gefeiert wurden, weil es mehr als 400 jüdische Gefangene im Lager gab.“

Während das Gelände als Wohngebiet „Landwehrviertel“ entwickelt wird, ist die Baracke 35 stehen geblieben und zu einer „Anti-Kriegs-Baracke“ umfunktioniert worden. „Dort gibt es heute Ausstellungen, Vorträge und Jugendbegegnung“, so Binder. „Historische Orte sind der Rede wert, Aufgabe ist es, über den Dialog Brücken zu bauen.“

Verpflegung im Rucksack

Ein Halt am alten Kriegerdenkmal ist Anlass, über den Umgang mit Heldenbegriff und Kriegsverherrlichung nachzudenken. „Derzeit wird überlegt, ob man eine Restaurierung des Denkmals um eine Tafel ergänzt, um das Thema zu kommentieren“, sagt Pastor Binder. „So stellt sich auch die Frage, wie man derer gedenkt, die als Kriegsverweigerer verfolgt oder als Deserteure bestraft wurden. Ziel ist es, an Menschen als Menschen zu erinnern, nicht als Helden einer tragischen Verstrickung in jener Zeit.“

„Die Wege sind immer ein Bildungsgewinn“, fasst Gisela Löhberg zusammen. Eingerahmt ist der Gang vom Krieg zum Frieden von zwei Kurzandachten am Start und zum Abschluss. „An den einzelnen Stationen wird ein einfacher Kanon gesungen, und es gehören immer das Lied des Westfälischen Friedens „Nun lob, mein Seel, den Herren“, dazu und ein ökumenisches Gebet“ Glaubensimpulse begleiten die Teilnehmer durch den Tag. „Dazu gibt es ein Textheft.“ Die Veranstaltung endet um 16.30 Uhr, satt werden alle durch die eigene Rucksackverpflegung. Unterwegs gibt es Bushaltestellen, sodass auch etappenweise gewandert werden kann.

Info
Start der Wanderung ist am Samstag, 17. September, um 9 Uhr. Treffpunkt ist die Kapelle auf dem Waldfriedhof Dodesheide, Dodeshausweg 50, 49088 Osnabrück.

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