Soutane von Guerilla-Priester Torres in Kolumbien identifiziert

Der Geistliche gehörte in den Gründungsjahren der marxistischen ELN-Guerilla zu den katholischen Priestern, die sich dem bewaffneten Kampf anschlossen. Nun ist ein besonderes Kleidungsstück aufgetaucht.

Camilo Torres (1929-1966) gehört zu den bekanntesten Personen aus den Anfangsjahren der ELN-Guerilla in Kolumbien. Nun wurde nach Angaben von Kolumbiens Präsident Gustavo Petro die Soutane von Torres identifiziert. Das Kleidungsstück sei seit den 1960er Jahren von einem Arbeiter aufbewahrt worden und habe dem Priester gehört, bevor dieser sich der ELN anschloss und dort den Tod fand, erklärte Petro. Durch die Gerichtsmedizin sei nun wissenschaftlich belegt, dass es sich um das Gewand des Priesters handle.

Die ELN war 1964 von Studenten, katholischen Radikalen und linken Intellektuellen aus Protest gegen die Armut der Kleinbauern gegründet worden. Eine ihrer Ikonen war der aus einer angesehenen Arztfamilie stammende katholische Priester Torres. Das Verhältnis von Marxismus und Christentum kommentierte Torres einst mit dem Satz: “Warum sollen wir streiten, ob die Seele sterblich oder unsterblich ist, wenn wir beide wissen, dass Hunger tödlich ist?” Torres starb 1966 bei Kämpfen mit Regierungstruppen. Es war nach kolumbianischen Quellen sein erster Kampfeinsatz.

Derzeit steht die ELN-Guerilla mit der Regierung in Friedensverhandlungen. Im vergangenen Jahr forderte die Guerrilla-Führung die Übergabe der sterblichen Überreste des katholischen Geistlichen und ein christliches Begräbnis.

Laut der Wahrheitskommission zur Aufarbeitung des bewaffneten Konflikts war die ELN im Zeitraum von 1986 bis 2016 für rund 18.600 Tote verantwortlich.