So wirbt die Landeskirche Hannovers für die Taufe

Viele Familien in Niedersachsen zögern mit der Taufe ihrer Kinder – auch nachdem die Corona-Beschränkungen gelockert sind. Die Taufinitiative „#gottesgeschenk“ der Landeskirche Hannovers soll das ändern.

Hannover/Hemmingen. Wenn Pastor Richard Gnügge in seinen Kalender schaut, dann erscheinen darin so viele Taufen wie seit Jahren nicht mehr. „Wir haben einen richtigen Schwung“, sagt Gnügge. Allein während der Ostertage habe er drei Kinder getauft, in den kommenden Wochen bis zum Sommer folgen mindestens noch zwölf weitere Taufen, zählt der Pastor der Nikolaikirchengemeinde Hiddestorf/Ohlendorf nach. Unter anderem plane die Gemeinde ein großes Tauffest mit den vier Gemeinden in der Kirchenregion Hemmingen. „Da freue ich mich schon sehr drauf.“

Viele Taufen würden derzeit nachgeholt, erklärt Gnügge den merklichen Boom. Allerdings seien in seiner Gemeinde, die 850 Mitglieder hat, noch rund 50 Kinder ungetauft, so Gnügge weiter. „Von den meisten hätte ich eine Taufe erwartet, weil ich schon Kontakt mit den Eltern hatte.“ Doch die Familien würden zögern.

Kurzer Boom

Nicht nur Pastor Gnügge hat Sorge, dass der Tauf-Boom schneller vorüber sein könnte, als er begann. „Es wird nicht so sein, dass jetzt alle Familien ihre Kinder taufen lassen, die wegen Corona nicht getauft wurden“, sagt Pastor Benjamin Simon-Hinkelmann, Sprecher der Landeskirche Hannovers. Dann müssten in der Landeskirche Hannovers nämlich mehr als 10 000 Taufen nachgeholt werden. Denn so viele sind nach Angaben des Sprechers im Jahr 2020 wegen der Pandemie ausgefallen, rund die Hälfte aller Taufen pro Jahr. Für 2021 gebe es noch keine Zahlen.

Die Landeskirche Hannovers hat nun vor wenigen Wochen die Taufinitiative „#gottesgeschenk – ich bin getauft“ gestartet. Sie soll Gemeinden ermuntern, die Taufe wieder mehr in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu rücken und vor allem Eltern gezielt anzusprechen. „Das hat im Jahr der Taufe gut funktioniert, und daran wollen wir anknüpfen“, so Simon-Hinkelmann. Denn 2011 sei die Zahl der Taufen gestiegen, obwohl der Trend seit Jahren rückläufig sei.

Dranbleiben gefragt

„Mit der Taufe haben wir etwas Tolles anzubieten“, betont der Pastor. Die Tauffeste, die in diesen Wochen in fast allen Kirchenkreisen stattfinden, seien Ausdruck dafür. „Da passiert ganz viel. Aber wir müssen jetzt auch dranbleiben und weiter offensiv auf die Menschen zugehen.“

Die Taufinitiative, an der seit Kurzem auch Pastor Gnügge mit halber Stelle beteiligt ist, sieht sich als Hilfestellung für die Gemeinden. Über die Homepage, die noch weiter ausgebaut werden soll, können Geschenke für die Täuflinge, Materialien und Entwürfe bestellt werden. Gnügge wird Angebote zu Taufkursen, Tauf­erinnerungen und Erwachsenentaufen erarbeiten. Auch interkulturelle Taufe und Ökumene seien Thema, sagt Gnügge. Auf Gemeinden wartet schließlich ein Bonus in Höhe von 500 Euro.


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So soll die Initiative auch auf die vielen Möglichkeiten hinweisen, die Taufe zu gestalten, so Simon-Hinkelmann. Man könne zu Hause feiern oder Angehörige stärker einbeziehen. „Die Taufe wird dadurch noch viel persönlicher.“ Nicht zuletzt seien Taufen Highlights im Gemeindeleben. Darauf weist Pastor Gnügge hin. „Es ist eine schöne Sache, Kindern und Jugendlichen den Segen Gottes zu spenden.“