Pop up Church bittet am Gründonnerstag zur Fußwaschung auf der Reeperbahn

Sinnliche Momente sind erwünscht

Seife und Schüssel stehen bereit: Am Gründonnerstag wollen die jungen Geistlichen der Pop up Church Passanten auf der Reeperbahn die Füße waschen. Dabei geht es ihnen um Berührungen – und ein Zeichen gegen den Krieg.

Probe aufs Exempel vor der Davidwache: Matti Schindehütte hat Sarah Stützinger (li.) und Diana Freyer die Füße gewaschen

von Timo Teggatz

Hamburg. Schon die Probe verlief vielversprechend: Als sich die Mitglieder der Pop up Church neulich zum Foto-Termin auf der Reeperbahn trafen, wurden die Passanten sofort neugierig: Was machen denn die Leute im Talar dort? Manche vermuteten einen Filmdreh, doch die Wahrheit sieht anders aus. Die jungen Geistlichen probten lediglich für die neueste Aktion der Pop up Church, die die Kirche an ungewöhnlichen Orten aufpoppen lässt. Am Gründonnerstag veranstalten sie eine Fußwaschung direkt vor der Davidwache.

Der Termin ist gut gewählt, denn laut Johannesevangelium soll auch Jesus seinen Jüngern am Gründonnerstag, kurz vor seinem Tod, die Füße gewaschen haben. Nach dem letzten Abendmahl nahm er eine Schürze und reinigte ihnen ihre Füße. Heute wird dieses Ritual oft in katholischen und auch freikirchlichen Gemeinden praktiziert. Bei evangelischen Christen werde es leider etwas vernachlässigt, findet Matti Schindehütte, Pastor aus Großhansdorf, der in der Pop up Church engagiert ist. Doch das soll sich nun mit der Aktion auf der Reeperbahn ändern.

Wasser muss warm sein

Neun Geistliche sind am Donnerstag, 14. April, ab 20 Uhr auf dem Kiez dabei. Unterstützt werden die Mitglieder der Pop up Church von Sandra Starfinger und Sieghard Wilm, den Geistlichen der Kirchengemeinde St. Pauli. Mitbringen werden alle – neben ihren Talaren – Schüssel und Seife. Das Wasser will die Davidwache spendieren. Eines haben Schindehütte und seine Kollegen bei der Probe-Waschung bereits festgestellt: „Das Wasser muss unbedingt warm sein“, sagt der Theologe. Sonst würden die Hände sehr schnell kalt, von den zu waschenden Füßen mal ganz abgesehen.

So wie hier bei der Probe wollen die jungen Geistlichen am Gründonnerstag Füße waschen Foto: Thomas Hirsch-Hüffel

Wichtig sei das haptische Element bei der Fußwaschung, sagt Pastor Schindehütte. „Gott will uns nah sein, auch durch Berührung“, sagt er. So könne die Fußwaschung auch etwas Sinnliches haben, gerade nach einer langen Zeit der Pandemie, wo alle auf gegenseitige Berührungen verzichten mussten. Es könnten durchaus auch erotische Momente entstehen. Das sei etwas Schönes und gehöre zum Glauben dazu.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Pop up Church, ein Projekt des Nordkirchen-Werks „Kirche im Dialog“,  die Fußwaschung geplant, doch dann machte die Pandemie der Aktion einen Strich durch Rechnung. In diesem Jahr passe sie umso besser in die Zeit, sagt Schindehütte. Denn die biblische Botschaft laute, sich nicht mit Füßen zu treten und gegenseitig Krieg zu führen, sondern sie zu wachen. Gegen Hass und Angst setze Jesus ein Zeichen der Liebe.

„Proll aus dem Vorort“

Die Mitglieder der Pop up Church würden sich darauf freuen, auf der Reeperbahn ganz unterschiedliche Menschen zu treffen. „Da kann der Proll aus dem Vorort genauso dabei sein wie ein Flüchtling“, sagt Schindehütte, der früher gern selbst durch die Clubs auf dem Kiez gezogen ist. Die jungen Geistlichen erwarten neben Leuten aus dem Viertel auch Touristen und Hamburger, die essen gehen oder ein Bier trinken wollen. Die klassischen Partygänger dürften am Gründonnerstag vermutlich nicht unterwegs sein, denn nur ein paar Stunden später greift das Tanzverbot am Karfreitag.


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Auf dem bunten Kiez rechnen die Pastoren damit, auch Menschen zu treffen, die sich nicht jeden Tag die Füße reinigen. Auch sie sollen natürlich eine Fußwaschung bekommen. „Damit werden wir würdevoll und professionell umgehen“, sagt Matti Schindehütte.

Und noch eine Anregung aus der Bibel nehmen die Geistlichen am Gründonnerstag auf: Im Johannesevangelium ermuntert Jesus seine Jünger, sich auch gegenseitig die Füße zu waschen. Und genau das sollen auch die Besucher auf dem Kiez machen, wenn sie es denn wollen. (epd)

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