Seine Ankunft steht bevor

Über das Warten im Advent schreibt Roland Springborn. Er ist Pastor im Ruhestand in Greifswald.

Adventskranz mit roten Kerzen, die erste von ihnen brennt
Adventskranz mit roten Kerzen, die erste von ihnen brennt

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Siehe, er kommt und hüpft über die Berge und springt über die Hügel.“ aus dem Hohelied 2, 8-13 

Das muss ein Irrtum sein! Das war mein erster Gedanke, als ich den Predigttext für den 2. Sonntag im Advent in diesem Jahr las: Hohelied Kapitel 2, 8-13. Das Hohelied ist schon schwer in der Bibel zu finden. Was hat es erst am 2. Sonntag im Advent verloren? Rein gar nichts.

Aber ehe ich mich nach einem anderen Text umsah, wollte ich denen, die sich in dieser Predigtreihe für diesen Text zum 2. Advent entschieden hatten, unterstellen, dass sie sich etwas dabei gedacht haben. Ich las die Epistellesung im Jakobusbrief Kapitel 5, das Evangelium bei Lukas Kapitel 21, dann das Wochenlied „O Heiland, reiß die Himmel auf“. Und siehe da: ich wurde fündig. Ich fand in allen diesen Texten ein Wort, das sie alle sagten, schrieben, sangen: Er kommt! Einmal ist es der Freund, ein anderes Mal der Menschensohn, dann der Herr, und im Lied: du Trost der ganzen Welt. Ich weiß, dass jeder Vergleich der Titel und Bezeichnungen hinkt. Aber: Er kommt, das ist der sogenannte rote Faden, der alle und alles zusammen bindet und zusammenhält. Er kommt! Und damit sind wir mitten im Advent, Zeit des Wartens und der Erwartungen. Kinder warten und erwarten anders als Erwachsene, junge wieder anders als Ältere. Die einen erwarten Geschenke, die anderen Schluss mit allen Kriegen und Frieden auf Erden; die einen den traumhaften Winterurlaub, die anderen auf Heilung ihrer Krankheit.

Unser Warten als Christen aber richtet sich ganz auf das Kommen unseres Heilandes Jesus Christus. Sein Advent, seine Ankunft steht bevor. Sein Kommen wird in allen Texten dieses Sonntages sowohl mit dem Kommen des Frühlings als auch des Sommers oder der Erntezeit verglichen. Alles grünt und blüht und wird Frucht bringen. Es ist wie ein warmer Regen nach kalter winterlicher Erstarrung, man sieht in lachende Augen, Fröhlichkeit vertreibt die Trauer. Mit ihm, dem Freund, dem Herrn, dem Menschensohn kommt das Leben; das Leben, das bleibt bis zum letzten Advent, wenn er kommt in Herrlichkeit.

Unser Autor
Roland Springborn ist Pastor im Ruhestand in Greifswald.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Dienstag.