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Seelsorge im Terminal: Hamburgs neue Flughafenpastorin

Am 1. Oktober ging es für Pastorin Christina Stemmann von Schenefeld zum Hamburger Flughafen. Nicht auf große Reise, sondern in ihre neuen Rolle als Flughafenpastorin. „Für mich ist das eine runde Sache. Ich habe schon neben dem Studium bei den Check-in-Maschinen am Airport gejobbt“, erzählt sie. „Ich bin sehr gerne wieder hier.“

Ihre Rolle habe sich maßgeblich verändert: Während Stemmann als Studentin noch Menschen beim Check-in half, arbeitet sie jetzt als Seelsorgerin. „Ich möchte ein Rettungsanker für die Menschen hier sein“, sagt sie. „Es ist zwar gut, wenn man ihn nicht braucht, aber es ist auch wichtig zu wissen, dass er da ist, wenn doch.“ Egal, ob für Reisende oder Mitarbeitende, sie habe immer ein offenes Ohr bei Problemen.

„Reisende bringen oft sehr wenig Zeit mit vor ihren Flügen. Sie erleben den Flughafen als Ort der Mobilität.“ Die meisten wollen so schnell wie möglich zu ihren Abflug-Gates. „Zeit kann hier ein rares Gut sein. Und ich freue mich natürlich, wenn die Reisenden alles pünktlich schaffen. Aber wenn mal etwas nicht klappt, bin ich auch da“, sagt Stemmann. Mit beruhigenden Worten oder konkreten Hilfen.

Einen besonderen Fokus möchte sie auf die „Airport-Familie“, also die rund 15.000 Mitarbeitenden am Flughafen, legen. Denn für die Mitarbeitenden, die ihren Arbeitstag am Flughafen verbringen, spiele Zeit eine andere Rolle. „Sie ist natürlich wichtig, aber wird eben anders wahrgenommen.“ Es sei Zeit für Pausen oder kurze Gespräche, auch bei der Arbeit.

„Besonders die ersten Monate des Jahres scheinen eine schwierige Zeit für die Arbeitenden hier zu sein. Es ist dunkel, kalt und viele haben das Bedürfnis nach etwas Energie.“ So habe Stemmann in den ersten 100 Tagen als Flughafenpastorin vermehrt das Gespräch mit ihrer „Airport-Familie“ gesucht.

Um auf diese Bedürfnisse einzugehen, hat die Seelsorgerin für den kommenden Monat ein neues Veranstaltungskonzept entwickelt: „Vitamin C für die Seele.“ Jeden Dienstag bietet sie 15 Minuten lang eine Mischung aus Atemübungen und mutmachenden Worten, bewusst in der Pausenzeit der Mitarbeitenden. „Über die Jahreszeiten soll es dann noch weitere Angebote geben, zum Beispiel für den Sommer, wenn die große Reisezeit beginnt und hier besonders viel los ist.“

In ihrer Rolle als Flughafenpastorin fühle Stemmann sich angekommen. „Die Seelsorge war mir schon immer wichtig in meinem Dienst“, sagt sie. Gerade in schwierigen Situationen wäre es immer ihre Priorität gewesen, Menschen die Hand zu reichen und für sie da zu sein. Die gebe es am Flughafen reichlich: „Die Themen, die die Menschen in einer Gemeinde bewegen, bewegen sie auch am Flughafen. Reisende nehmen mit, was sie im Alltag belastet, packen es quasi mit in den Koffer.“

Am Hamburg-Airport sei der Alltag manchmal auch turbulent: „Der Flughafen ist wie eine kleine Stadt. Alle Notfälle, die es in Städten gibt, kommen hier auch vor.“ Seit sie Flughafenpastorin ist, habe Stemmann schon einen Trauerfall innerhalb des Kollegiums betreut und Reisende in Notsituationen unterstützt, etwa ältere Menschen, die sich am Flughafen nicht orientieren konnten.

„Fürsorge spielt eine große Rolle in meiner Arbeit“, erklärt die Pastorin, „auch innerhalb der Airport-Familie.“ Bei Problemen oder Notfällen unter den Mitarbeitenden und Reisenden arbeiten alle zusammen. „Da will ich in der kommenden Zeit noch mehr Angebote schaffen. Damit alle, die hierherkommen, wissen: Ich bin da, wenn man mich braucht.“