Täglich schlagen Millionen Menschen Informationen bei Wikipedia nach. Dahinter stecken wiederum Millionen Menschen, die in ihrer Freizeit Artikel verfassen. Ein System, das in 25 Jahren unersetzlich geworden ist.
Wikipedia ist weltweit ein Begriff. Die Online-Enzyklopädie ist zu einem festen Bestandteil nahezu aller Gesellschaften und Sprachgruppen geworden. Millionen Menschen nutzen die Plattform täglich, stündlich, ja minütlich. Statistiken zufolge zählt Wikipedia weltweit zu den am häufigsten frequentierten Internetseiten. Letzter Stand lag die Plattform auf Platz sieben, auch wenn die Klickzahlen in der Tendenz etwas gesunken sind. Mittlerweile haben KI-Seiten wie ChatGPT die Enzyklopädie überholt. Vor 25 Jahren, am 15. Januar 2001, wurde der Grundstein für das gemeinnützige Projekt gelegt.
Im Angebot sind etwa 60 Millionen Artikel in rund 330 Sprachen und auch Dialekten. Die größte Plattform ist die englischsprachige Wikipedia mit rund sieben Millionen. Die deutsche Wikipedia ist mit etwa drei Millionen Artikeln nach Englisch und Cebuano, einer Sprache der Philippinen, die drittgrößte weltweit. Cebuano, die auch als Visayan oder Bisayan bekannte Sprache, wird von etwa 18 Millionen Menschen auf den Philippinen gesprochen. Wobei es hier viele automatisiert erstellte Artikel gibt. Würde man indes alle deutschen Artikel in Bücher drucken, ergäbe dies laut Wikipedia aktuell 1.795 Lexikonbände.
Der Name Wikipedia setzt sich zusammen aus Wiki, dem hawaiianischen Wort für schnell, und encyclopedia, dem englischen Wort für Enzyklopädie. Ein Wiki ist übersetzt ein Webangebot, dessen Seiten jeder leicht und ohne technische Vorkenntnisse direkt im Webbrowser bearbeiten und nutzen kann. Laut Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales ist das Ziel der Plattform, “eine frei lizenzierte und hochwertige Enzyklopädie zu schaffen und damit lexikalisches Wissen zu verbreiten”.
Wikipedia war und ist weiterhin eine frei zugängliche Online-Enzyklopädie. Betrieben wird die Enzyklopädie von der Wikimedia Foundation, einer gemeinnützigen und Spendensammelnden Organisation mit Sitz im amerikanischen San Francisco. In vielen Ländern arbeiten darüber hinaus unabhängige Wikimedia-Vereine mit der Stiftung zusammen.
Im Regelfall verfassen ehrenamtliche “Wikipedianer” die Artikel. Jeder kann mitmachen. Allein für das deutsche Wikipedia gibt es mehrere Millionen angemeldete Nutzer. Wirklich aktiv Beiträge verfassen aber rund 37.000 Nutzer. Etwa 18.000 sind auf der deutschsprachigen Seite wenigstens einmal im Monat tätig.
Diese hohe Zahl macht die Plattform besser, aber auch angreifbarer und beeinflussbarer. Entsprechend wurde das Kontrollverfahren der Artikel mit der Zeit stetig weiterentwickelt. So wurde im Laufe der Jahre eingeführt, dass Artikeländerungen von erfahrenen Autoren und Editoren geprüft werden, bevor ein Besucher der Website sie sehen kann. Anonym agierende Lobbyisten oder Adressen von diffamierenden Nutzern können gesperrt werden.
Die Regeln sind streng. Die für die deutschsprachige Community gelten sogar als besonders strikt. Artikel müssen stets als Fließtexte von einem neutralen Standpunkt aus verfasst werden, und alle Quellen müssen vertrauenswürdig sein. Die Zahlen der Neueinsteiger bei Wikipedia sind, wohl auch aufgrund der Strenge anderer Nutzer, zuletzt gesunken. Die Qualität der Enzyklopädie wird immer wieder als gut bewertet.
Ein Projekt von Google, eine Alternative zu Wikipedia aufzubauen, scheiterte. Dennoch bleibt die Suchmaschine Google in KI-Zeiten die meistgenutzte Internetseite weltweit. Mit der Zunahme von KI-generierten Kurzartikeln spart sich mittlerweile der ein oder andere ganz den Weg zu Wikipedia, auch wenn KI-Inhalte fehleranfällig sind.
Über die Jahre entwickelten sich aber auch zahlreiche Rand- und Ergänzungsprojekte zur klassischen Wikipedia-Enzyklopädie. So entstand etwa Marjorie-Wiki. Hier werden Artikel gesammelt, die in der deutschsprachigen Wikipedia auf Grund ihrer fragwürdigen Relevanz gelöscht wurden. Oder Klexikon und Miniklexikon, ein Wiki-Angebot für Kinder, mit insgesamt rund 5.000 Artikeln.
Nicht jeder ist mit allen Wikipedia-Artikeln einverstanden; immer wieder kommt es zu Sperrungen. In China war die Plattform immer wieder auch über längere Zeiträume nicht zugänglich, in der Türkei gab es eine drei Jahre andauernde Sperrung, und auch die usbekische Version war eine Zeit lang nicht aufrufbar. Gegen die Türkei-Sperrung legte die Wikimedia Foundation sowohl beim Verfassungsgericht als auch beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde ein.
Auch gegen einzelne Artikel wird immer wieder protestiert. Jüngst ging die Beschwerde so weit, dass Gründer Wales laut Berichten selbst eingriff und die weitere Bearbeitung eines umstrittenen Artikels zu Gaza sperrte. Er begründete das mit dem Neutralitätsprinzip der Plattform.