Report: Immer mehr Fehltage durch psychische Erkrankungen

 Immer mehr Arbeitnehmer werden einem Report der AOK zufolge durch zunehmende Belastungen psychisch krank. In den vergangenen zehn Jahren seien die Fehltage am Arbeitsplatz wegen psychischer Erkrankungen um fast die Hälfte gestiegen, teilte die Krankenkasse am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des AOK-Fehlzeitenreports mit. Durchschnittlich hätten sich Mitarbeitende im vergangenen Jahr an 29,6 Tagen je Fall wegen psychischer Beschwerden krank gemeldet.

Jährlich untersucht das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) die Auswirkungen aktueller Krisen auf Unternehmen und die Gesundheit der Beschäftigten. Die Datenbasis bildeten die etwa 15 Millionen erwerbstätigen AOK-Versicherten sowie eine repräsentative Befragung von 2.500 Erwerbstätigen im Alter von 18 bis 66 Jahren im Februar.

Pandemiebedingt hätten viele Unternehmen auf Homeoffice und mobiles Arbeiten umgestellt. Neben den positiven Effekten wie mehr Flexibilität und Arbeitszufriedenheit gebe es aber auch negative Folgen wie eine Entgrenzung der Arbeit, erklärte der Bielefelder Gesundheits-Soziologe Bernhard Badura. Das könne auch zu sozialer Isolation und einer Distanzierung der Mitarbeitenden vom Unternehmen führen.

Besonders Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen seien mit psychischen Belastungen häufiger krank gemeldet als die aus anderen Berufsgruppen, geht aus dem Report weiter hervor. Dicht darauf folgten Beschäftigte in den Bereichen Öffentliche Verwaltung, Erziehung und Unterricht, Banken und Versicherungen. Durchschnittlich gehe etwa jeder zehnte Fehltag auf psychische Beschwerden zurück.

Die Forschungsbereichsleiterin für Betriebliche Gesundheitsförderung des WIdO, Johanna Baumgardt, sieht zudem einen Zusammenhang mit Veränderungen und Ungewissheiten in Unternehmen. Je positiver die Zukunftsfähigkeit des eigenen Unternehmens eingeschätzt werde, desto besser sei auch das persönliche Gesundheitsempfinden der Mitarbeitenden. Allerdings gingen Mitarbeitende, die die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens eher negativ bewerteten, entgegen ärztlichen Rats dennoch fast doppelt so oft krank zur Arbeit wie ihre Kolleginnen und Kollegen, die die Zukunftsfähigkeit positiver bewerteten, sagte Baumgardt. Sie sprach sich für eine Ausweitung betrieblicher Gesundheitsförderung aus. Nur in knapp sechs von zehn Unternehmen seien nach Auskunft der Befragten dazu Angebote vorhanden.