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Rekordzahl an bewaffneten Konflikten – Diakonie fordert Gegensteuern

Im Ausblick auf das neue Jahr zeigt sich die Diakonie Katastrophenhilfe alarmiert: Die Zahl der bewaffneten Konflikte weltweit sei so hoch wie seit 1945 nicht mehr. Die Helfer fordern konkrete Gegenmaßnahmen.

Zum neuen Jahr ruft die Diakonie Katastrophenhilfe die Bundesregierung zum entschiedenen Einsatz für notleidende Menschen auf. Es brauche ein Signal an europäische Partner, “dass humanitäre Hilfe nicht politischen Interessen untergeordnet wird”, sagte Präsidentin Dagmar Pruin am Donnerstag in Berlin. Auch müssten die zuletzt beschlossenen Kürzungen zurückgenommen werden: “Die weltweiten Konflikte erfordern mehr humanitäres Engagement Deutschlands.”

Die Zahl der bewaffneten Konflikte weltweit ist laut Diakonie Katastrophenhilfe mit rund 60 auf dem höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg. Zugleich gingen internationale Hilfsgelder zurück: “Der Hilfsplan der Vereinten Nationen ist ein Eingeständnis zunehmender Hilflosigkeit. Von rund 240 Millionen Menschen in Not sollen nur noch rund ein Drittel lebensrettende Hilfe erhalten”, so Pruin. Man dürfe sich die Welt nicht schöner rechnen, als sie sei: “Die internationale Gemeinschaft lässt Menschen wissentlich sterben.”

Als konkretes Beispiel nannte die Diakonie-Präsidentin den Sudan. Der dortige Krieg sei vermeidbar, es brauche jedoch stärkeren diplomatischen Druck auf die Kriegsparteien. “Völkerrechtsverbrechen wie in Al-Faschir dürfen sich nicht wiederholen.” Die Stadt in der sudanesischen Provinz Darfur war vor knapp drei Monaten von der RSF-Miliz erobert worden, die seit April 2023 mit Regierungstruppen um die Macht im Sudan kämpft. Die Provinzhauptstadt hatte zuvor als letzte Bastion der regulären Armee in diesem Bundesstaat gegolten.

Noch immer sei unbekannt, wie viele Menschen in der Stadt zuletzt getötet worden seien, sagte Pruin. “Wenn Hilfsorganisationen keinen Zugang zu Menschen in Not bekommen, fällt nicht nur Hilfe weg, sondern auch Evidenz darüber, was in Konflikten passiert. Das hat fatale Auswirkungen auf künftige Konflikte, da es die Hemmschwelle für humanitäre Völkerrechtsverstöße oder Kriegsverbrechen weiter senkt.”