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Reker: “Armlänge Abstand” war ein Fehler

Die Kölner Silvesternacht 2015/16 sehen viele als Symbol einer verfehlten Migrationspolitik. Oberbürgermeisterin Reker griff danach mit ihrem berüchtigten Rat an Frauen ordentlich daneben. Und sieht es heute auch so.

Die ehemalige Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat ihre Empfehlung an Frauen nach der Kölner Silvesternacht 2015/2016, immer eine “Armlänge Abstand” zu halten, als Fehler bezeichnet. “Das war natürlich unpassend. Die Frauen in der Silvesternacht konnten keine Armlänge Abstand halten”, sagte Reker dem “Kölner Stadt-Anzeiger” (Dienstag).

Auf einer Pressekonferenz nach den massenhaften Raub- und Sexualdelikten der Silvesternacht, begangen überwiegend von jungen Migranten aus dem arabischen und nordafrikanischen Raum, hatte sie diesen Hinweis aus einer Broschüre über Partysicherheit für junge Frauen zitiert. “Aber offen gestanden: Der Shitstorm, den ich daraufhin erlebt habe, hat mich weitaus weniger berührt als das Schicksal dieser Frauen.”

Die Silvesternacht bezeichnete Reker als “Wendepunkt in der deutschen Aufnahmepolitik für Geflüchtete”. Viele Menschen in Köln hätten danach ihre Sorge vor Überforderung deutlicher und häufiger geäußert als vorher. “Aber die Willkommenskultur hat sich nicht grundlegend verändert.”

Reker, die am Jahreswechsel 2015/15 erst wenige Wochen im Amt war und zuvor ein lebensgefährliches Messer-Attentat überstanden hatte, berichtete erstmals öffentlich, dass sie kurz nach den Ereignissen der Silvesternacht überraschend ein Hilfsangebot des damaligen Hamburger Bürgermeisters Olaf Scholz (SPD) erhielt. Beide hätten nie zuvor miteinander gesprochen. “Und dann rief mich plötzlich Olaf Scholz an”, erinnerte sich Reker. “Er wisse, anders als er in Hamburg sei ich in Köln ja nicht für die Polizei zuständig.”

Scholz habe ihr angeboten, sie zu beraten, was sie nun von der Polizei in Köln erwarten dürfe. “Das habe ich dankbar angenommen.” In einer Zeit, in der Polizeipräsident Wolfgang Albers kaum mit ihr gesprochen habe und sie weder Innenminister Ralf Jäger noch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (beide SPD) habe erreichen können, habe ihr Scholz “sehr geholfen”.