Präses Latzel warnt vor Verharmlosung rechter Umsturzpläne

Mit klaren rechtsstaatlichen Mitteln muss gegen Verschwörungstheorien vorgegangen werden, fordert der Theologe. Ihm mache noch etwas anderes Sorgen: die Nähe der Verschwörer zur AfD.

Thorsten Latzel ist Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland
Thorsten Latzel ist Präses der Evangelischen Kirche im RheinlandIMAGO/epd

Der rheinische Präses Thorsten Latzel warnt vor der Verharmlosung rechter Umsturzpläne und wirbt zugleich für einen Dialog mit Skeptikern sowie verunsicherten Bürgern. „Wir haben eine wehrhafte Demokratie, die mit klaren rechtsstaatlichen Mitteln gegen solche Verschwörungstheorien und Gewaltpläne vorgehen muss, wenn die Basis unserer Demokratie gefährdet ist“, sagte der evangelische Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit Blick auf die Großrazzia gegen sogenannte Reichsbürger Anfang Dezember.

„Mich besorgt besonders, dass es eine gewisse Nähe dieser rechten Verschwörer zur AfD gibt“, erklärte Latzel. Hier sei eine klare Abgrenzung gegen jede Form antidemokratischer Gewalt nötig. In einer Zeit zahlreicher Krisen, in der viele Sicherheiten und Selbstverständlichkeiten plötzlich infrage gestellt seien, müsse aber zugleich der Dialog mit verunsicherten Bürgerinnen und Bürgern gesucht und geführt werden.

Nicht mit Krieg gerechnet

Niemand habe mit der Corona-Pandemie oder einem brutalen Angriffskrieg in Europa gerechnet, erklärte der leitende Theologe der zweitgrößten Landeskirche in Deutschland. Auch die hohe Inflation, steigende Preise und die Klimakrise verunsicherten viele Menschen. „Insgesamt bin ich aber überzeugt, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland ein Bewusstsein für die Stärken unserer demokratischen Staatsform hat und sie unterstützt“, betonte der 52-Jährige.

Auch in der Kirche gibt es nach Latzels Worten Skeptiker und Menschen, die mit politischen Entscheidungen fremdeln. „Damit müssen wir uns auseinandersetzen“, sagte er. „Und deshalb ist es auch wichtig, dass wir eine aufgeklärte Religion haben.“ Dafür brauche es Bildung und Begegnung. „Als Kirche stehen wir in guter protestantischer Tradition hinter dem demokratisch-freiheitlichen Rechtsstaat“, unterstrich der Präses der rheinischen Kirche. „Wir stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt und engagieren uns für ein wechselseitiges Verständnis.“