Bei Fusionen zwischen evangelischen und katholischen Einrichtungen wie im Fall des Klinikums Lippstadt muss nach Worten der westfälischen Präses Adelheid Ruck-Schröder das evangelische Profil deutlich bleiben. „Und wenn das evangelische Profil am Ende nicht sichtbar werden kann, dann kann es vielleicht nicht zu einem ökumenischen Krankenhaus kommen, so schmerzhaft das auch sein mag“, sagte Ruck-Schröder in einem Interview im Bielefelder „Westfalen-Blatt“ (Mittwoch).
Bei der Fusion des Klinikums Lippstadt sei „die katholische Position hier eindeutig sichtbar geworden, die evangelische Position nicht mehr“, sagte die westfälische Präses. „Die Leute wollen wissen, ob es uns ein ökumenisches Krankenhaus wert ist, wenn dafür Schwangerschaftsabbrüche kategorisch ausgeschlossen sind“, sagte Ruck-Schröder. Bei künftigen Verhandlungen über ein ökumenisches Krankenhaus müsse daher die Unterschiedlichkeit der Profile klar angesprochen werden, sagte Ruck-Schröder.
Die evangelische Kirche sage Frauen nicht, dass sie abtreiben sollen, sagte die Präses. „Wir sehen die Entscheidungssituation und auch die Folgen, die das für alle hat – für die Frau, für den Mann und für das Kind“, sagte die leitende Theologin der westfälischen Kirche. Der Vorgang am Klinikum Lippstadt zeige die Größe und die Schwere des Themas. „Bei künftigen Fusionen sollten alle Verantwortlichen, der jeweilige Bischof und ich frühzeitig beraten und kämen dann möglicherweise zu dem Schluss, dass wir an einem bestimmten Punkt nicht ökumenisch sichtbar zusammenarbeiten können.“
Das „Christliche Krankenhaus“ Lippstadt hatte einem Chefarzt Abtreibungen untersagt. Dagegen klagte der Arzt. Der frühere Arbeitgeber, das evangelische Krankenhaus in Lippstadt, fusionierte mit dem katholischen Dreifaltigkeits-Hospital und dem Marien-Hospital in Erwitte. Seit März firmieren die Kliniken gemeinsam als „Klinikum Lippstadt – Christliches Krankenhaus“. Der Gesellschaftsvertrag untersagt Schwangerschaftsabbrüche und assistierten Suizid.