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Politologe: Europa muss nach US-Einsatz auf seine Interessen schauen

Der Politologe Nico Lange zeigt Verständnis dafür, dass Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und weitere Vertreter der Bundesregierung verhalten auf die US-Militäraktion in Venezuela reagiert haben. Es sei „richtig, da auf unsere Interessen zu schauen“, sagte Lange, der unter anderem Senior Fellow bei der Münchner Sicherheitskonferenz ist, am Dienstag dem WDR-Radio in Köln. „Ehrlicherweise haben wir keine Machtinstrumente, um die Lage in Lateinamerika irgendwie zu beeinflussen.“

Statt moralische Appelle in den Raum zu stellen, sei es für Deutschland und Europa jetzt wichtig, zu klären: „Wie können wir handeln als Europäer, damit wir nicht nur (…) an der Seitenlinie stehen und gucken, was andere machen.“ Angesichts der Tatsache, dass die USA die westliche Hemisphäre als ihr Einflussgebiet ansehen, und mit China und Russland um Dominanz konkurrierten, gehe es für Europa darum, nicht „zum Spielball von solchen Dingen“ zu werden, sondern die Welt mitzugestalten, erklärte der Politikwissenschaftler dem Sender.

Die USA hatten am Wochenende bei einer Militäroperation Venezuelas bisherigen Machthaber Nicolás Maduro und dessen Frau Cilia Flores gefangengenommen und in die USA gebracht. Daraufhin wurde Vizepräsidentin Delcy Rodríguez vom Obersten Gerichtshof vorerst als Nachfolgerin Maduros eingesetzt. Die Vereinigten Staaten werfen Maduro Drogenhandel vor. Zugleich hatte US-Präsident Donald Trump eine Ausweitung der Ölförderung durch US-amerikanische Unternehmen in Aussicht gestellt.

Bundeskanzler Merz hatte in einer Reaktion auf den US-Militäreinsatz zwar auf das Völkerrecht verwiesen, eine klare Verurteilung der Vorgänge aber zunächst vermieden. „Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex. Dazu nehmen wir uns Zeit“, erklärte er.