Kantor aus Marne tourt durch Kirchen im Norden

Peter Heeren lässt den Gong fauchen

Wer denkt, dass Gongs nur dröhnen können und in Tempeln hängen, den wird Peter Heeren überraschen. Der Kantor und Komponist aus Schleswig-Holstein bestreitet damit ganze Konzerte.

Kantor Peter Heeren in seinem Element

von Friederike Lübke

Marne. Neulich hat Peter Heeren getan, was er eigentlich nicht mehr tun wollte. Er hat sich einen neuen Gong gekauft. Inzwischen hat er fast 30 Stück. „Ich habe schon so oft gesagt: Das ist der letzte. Aber immer wieder übermannt es mich“, sagt er.

Peter Heeren ist Kantor in Marne. Hier leitet er den Chor und spielt die Orgel. Aber Heeren hat noch eine weitere Leidenschaft. Er spielt seit mehr als zwanzig Jahren Gong und tourt mit den schweren Instrumenten für Konzerte durch ganz Norddeutschland.

Fasziniert vom Klang

Zum ersten Mal fiel ihm der Gong als Student auf. In seinem Kompositionsstudium musste er ein Referat über ein Musikstück halten, in dem das Instrument vorkam. „Mich hat dieser neue Zugang zum Klang fasziniert“, sagt Heeren. Er kaufte sich einen Gong und begann zu spielen.

Wer denkt, dass der Gong nur einen einzigen Ton von sich gibt, den belehrt Heeren schnell eines Besseren. „Man kann so viele Nuancen herausarbeiten“, sagt er. Für ihn ist der Gong ein „Klanguniversum“. Er schlägt ihn auch nicht einfach, er streicht sacht von oben bis zur Mitte. Oder er bewegt die Klöppel in leichten Kreisen über die Oberfläche.

Mit Gummistiefel und Gong im Watt

Es wirkt wie ein Tanz, wenn Heeren einen Gong anschlägt und sich dann mit geneigtem Kopf wieder zurückzieht. Wenn er beide Arme ausbreitet und still vor den runden Blechen verharrt. Zu sehen ist das zum Beispiel in einem Youtube-Video. Darin steht Heeren im Watt, trägt gelbe Gummistiefel und einen schwarzen Kapuzenpulli mit der Aufschrift: „Ich ging, ich gang, ich gongte“.

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Als Kirchenmusiker spielt und schätzt er auch andere Instrumente. „Die Orgel ist wunderschön. Das ist ganz klar“, sagt er. „Ich kann auf einem Gong keine Fuge spielen.“ Was den Gong so besonders macht, das ist selbst für einen Spezialisten wie ihn schwer, in Worte zu fassen. „Wenn man den Gong anspielt, dann entwickelt sich der Klang aus sich selbst heraus“, sagt er. „Das Markante am Gong ist nicht die Tonhöhe, sondern die Klangfarbe.“

Heeren spielt nicht nur, er komponiert auch. Zuletzt eine „Kosmische Symphonie“ für zehn Gongs. Jeder steht für einen Planeten, Pluto zählt er dazu. Weil es für den Gong keine Noten gibt, schreibt er den Rhythmus auf und mit welchem Schlegel er in welchem Tempo spielt. Die Gongscheibe hat er für seine Notizen in unterschiedliche Farben unterteilt, so kann er auch festhalten, wo er ihn anspielt. Jeder Gong hat einen bestimmten Grundton, Heeren holt noch weitere Obertöne heraus. „Man kann den Gong zum Fauchen bringen oder zum Gleißen“, sagt er. Seine Gongs stehen meist in einer selten genutzten Kirche, wo er nächtelang üben kann, ohne jemanden zu stören.

Mit Spezialanhänger unterwegs

Gongs sind sperrige Instrumente. Wenn Heeren ein Konzert gibt, ist er mit einem Spezialanhänger unterwegs, den er so hat umbauen lassen, dass alle Gongs darin Platz finden und er sie allein verladen kann. Nicht nur die Instrumente sind schwer, sondern auch die Ständer, an denen sie hängen. Heeren hat sie eigens von einem Schlosser anfertigen lassen, um einen möglichst reinen Klang zu erzielen. Alles aufzubauen dauert rund zwei Stunden.

Auch für Schulklassen wird gespielt

Aber obwohl die Gongs so groß sind, muss es der Konzertraum nicht sein. Heeren tritt häufig in Kirchen auf, aber er hat auch schon in Klassenzimmern gespielt. „Kein Raum ist zu klein“, sagt er. In großen Kirchen kann er den Gong in aller Pracht klingen lassen, in kleinen Räumen schlägt er ihn leiser an und kann dafür „die Feinheiten besser darstellen“, wie er erklärt.

In der öffentlichen Wahrnehmung steht der Gong eher für Asien und die asiatische Spiritualität. Heeren sagt: „Ich möchte den Gong von Bambusstöckchen und Weihrauch befreien.“ Wenn er ein Konzert wie seine „Kosmische Symphonie“ gibt, hat das auch eine spirituelle Dimension. Allerdings eine christliche: „Für mich ist das eine Darstellung der Schönheit von Gottes Schöpfung“, sagt er. Der Gong ist für ihn nicht spiritueller als andere Instrumente. „Eine Bach-Fuge ist ja auch ein Gebet“, sagt er.

Größter Gong

Der neue Gong ist sein bislang größter. Er hat einen Durchmesser von zwei Metern und ist so schwer, dass Heeren ihn nicht allein tragen kann. Wie er ihn mit auf Tour nehmen kann, muss er sich noch überlegen. „Das ist ein riesiges Problem“, sagt er, aber an der Art, wie er das sagt, klingt durch, dass er es lösen wird: „Ich habe vor, auch mit diesem Gong Konzerte zu spielen.“

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