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OutInChurch: Erkämpfte Sichtbarkeit muss verteidigt werden

Vier Jahre nach dem Start der Initiative OutInChurch zieht Rainer Teuber eine gemischte Bilanz: Fortschritte habe es zwar gegeben, aber ein Kulturwandel in der Kirche sei ausgeblieben.

OutInChurch-Mitorganisator Rainer Teuber sieht kleine Fortschritte in der katholischen Kirche
OutInChurch-Mitorganisator Rainer Teuber sieht kleine Fortschritte in der katholischen KircheImago / Funke Foto Services

Vier Jahre nach dem Start der Initiative #OutInChurch sieht Mitorganisator und Sprecher Rainer Teuber Fortschritte in der katholischen Kirche – fordert jedoch weiterhin tiefgreifende Veränderungen. “Alles, was bislang in den Bistümern erreicht wurde, ist allein das Verdienst queerer Menschen“, sagte Teuber dem Portal “Kirche und Leben”. Die erkämpfte Sichtbarkeit müsse bis heute immer wieder verteidigt werden.

#OutInChurch sei ein “Störfaktor”, so Teuber weiter, weil die Initiative die Deutungshoheit nicht länger allein kirchlichen Amtsträgern überlassen wolle. Nach eigenen Angaben ist #OutInChurch eine Initiative von rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der katholischen Kirche, die sich unter anderem als homo-, bi, trans-, intersexuell, queer oder non-binär identifizieren. Mit dem englischen Wort “queer” bezeichnen sich Menschen, die nicht heterosexuell sind oder deren geschlechtliche Identität nicht mit gesellschaftlichen Rollenbildern übereinstimmt.

OutInChurch: Grundlegender Kulturwandel fehlt

Als größten Erfolg der Initiative bezeichnete Teuber die Änderung des kirchlichen Arbeitsrechts. Dieser “katholische Quantensprung” sei jedoch nur durch den massiven gesellschaftlichen Druck infolge der Kampagne und einer ARD-Dokumentation möglich geworden. Ob die Reform auf einem echten Erkenntnisgewinn der Ortsbischöfe beruhe, bezweifelte Teuber. Es fehle weiterhin ein grundlegender Kulturwandel. 2022 hatten sich die Bischöfe auf eine Neufassung des Arbeitsrechts geeinigt. Die private Lebensgestaltung der Mitarbeitenden – etwa eine homosexuelle Partnerschaft oder eine zweite Ehe – sollen demnach keinen Anlass mehr zu Kündigungen bieten.

Kritisch äußerte er sich zur Entwicklung von Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare. Ende April hatte die Gemeinsame Konferenz von Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) eine Handreichung dazu verabschiedet. Die Segnungen verstehen sich als Angebot für “Geschiedene und Wiederverheiratete, Paare aller geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen sowie Paare, die aus anderen Gründen nicht das Sakrament der Ehe empfangen wollen oder können”. Diese Handreichung bezeichnete Teuber als “Mogelpackung”, die sowohl Seelsorgende als auch die betroffenen Paare alleinlasse. Zudem sei sie bis heute nicht in allen Bistümern in Kraft gesetzt worden.

Papst Leo XIV. enttäuscht mit Aussage zu Homosexualität

Auch mit Blick auf den Vatikan sieht der Aktivist Rückschritte. Zwar sei #OutInChurch dort wahrgenommen worden, ein Brief an den damaligen Papst Franziskus mit konkreten Forderungen sei jedoch unbeantwortet geblieben. Papst Leo XIV. habe zunächst geschwiegen und baldige Änderungen der kirchlichen Lehre für unwahrscheinlich erklärt. Besonders erschüttert habe ihn Leos Aussage, queere Menschen hätten Entscheidungen getroffen, die zu akzeptieren seien. “Wer heute wirklich noch glaubt, Homosexualität sei eine Frage der Entscheidung, widerspricht allen humanwissenschaftlichen Erkenntnissen”, so Teuber.