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Orthodoxe Kirche in Russland lehnt ökumenische Gebetsandacht ab

In vielen Ländern ist die Gebetswoche für die Einheit der Christen fest etabliert. Nicht so in Russland und Belarus. Dort boykottiert die orthodoxe Mehrheitskirche solche Gottesdienste in katholischen Kirchen.

Russlands orthodoxe Kirche hat erneut die katholische Einladung zu einer ökumenischen Gebetsandacht ausgeschlagen. Der Generalvikar des katholischen Erzbistums der Muttergottes von Moskau, Priester Kyrill Gorbunow, bestätigte am Montagabend der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), dass kein russisch-orthodoxer Kirchenvertreter an der Andacht im Rahmen der Gebetswoche der Einheit der Christen am Wochenende in der Moskauer Pfarrei Sankt Peter und Paul teilgenommen habe. Den Grund dafür wisse er nicht.

Schon 2025 war die russisch-orthodoxe Kirche laut Gorbunow dem gemeinsamen Gebet um die Einheit der Christen ferngeblieben. Auch die armenisch-apostolische Kirche sei diesmal nicht dabei gewesen – obwohl die christliche Ökumene in Armenien im Mittelpunkt der diesjährigen Gebetswoche stand. Das katholische Erzbistum feierte die Andacht daher lediglich mit Lutheranern, Adventisten, Baptisten und Pfingstlern, wie es hieß.

In Belarus nahm ebenfalls kein orthodoxer Geistlicher an den Gebetsandachten für die Einheit der Christen teil. Dazu hatte die katholische Kirche unter anderem in ihre Kathedrale in der Hauptstadt Minsk eingeladen, wie das unabhängige belarussische Portal “katolik.life” wie auch die ökumenische Organisation “Christliche Vision für Belarus” berichteten.

Die orthodoxe Theologin Natallia Vasilevich sagte der KNA, der orthodoxe Minsker Metropolit Wenjamin erlaube Geistlichen nicht, an solchen Andachten teilzunehmen. Unter seinem Vorgänger, Metropolit Filaret, sei eine Teilnahme noch ohne Probleme möglich gewesen. Große Beachtung habe die Gebetswoche für die Einheit der Christen in Belarus aber noch nie gefunden.

Die Gebetswoche geht auf den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen und den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) zurück. Sie wird auf der Nordhalbkugel traditionell vom 18. bis 25. Januar begangen, auf der Südhalbkugel zu einem späteren Zeitpunkt. Vorbereitet werden die Feierlichkeiten jeweils von ökumenischen Partnern einer bestimmten Region der Welt.