Mecklenburg-Vorpommerns Landtagspräsidentin Birgit Hesse hat am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus vor Ausgrenzung, Antisemitismus, Rassismus und Hass gewarnt. Der Nationalsozialismus habe nicht mit Lagern und Vernichtung begonnen, sondern mit Worten, sagte die SPD-Politikerin am Dienstag laut Redemanuskript bei der Gedenkveranstaltung des MV-Landtages in Schwerin. Er habe mit Ausgrenzung, mit der Einteilung von Menschen in „wertvoll“ und „wertlos“ begonnen sowie mit dem Abbau von Demokratie, mit der Verachtung von Vielfalt und mit der Illusion, es gebe einfache Antworten auf komplexe Fragen. „Er begann dort, wo Kompromisse als Schwäche galten, wo Andersdenkende zu Feinden erklärt wurden und wo das gesellschaftliche Miteinander zerbrach“, sagte sie.
Demokratie sei nicht selbstverständlich, sondern bleibe ein Prozess und lebe vom Mitmachen, vom Zuhören, vom Aushalten unterschiedlicher Meinungen. Sie lebe von Respekt, von Toleranz und von der Fähigkeit, Kompromisse einzugehen. Der Nationalsozialismus habe gezeigt, was geschieht, wenn Demokratie verachtet wird. „Wenn Macht über Recht gestellt wird. Wenn Vielfalt als Bedrohung gilt und nicht als Stärke. Wenn Menschen aufhören, einander als gleichwertig zu sehen“, sagte Hesse.
Zuvor hatte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) gesagt, es sei wichtig, dass sich junge Menschen über die Zeit des Nationalsozialismus und seine Opfer informieren können. „Wir haben deshalb die Mittel für Gedenkstättenfahrten versechsfacht. Schulen können einen höheren Zuschuss für Gedenkstättenfahrten erhalten und die Förderung leichter beantragen“, sagte sie laut einer Mitteilung ihrer Staatskanzlei. Die wichtigste Lehre aus der Zeit des Nationalsozialismus sei für sie, dass Frieden, Freiheit und Demokratie unbedingt erhalten bleiben müssten.