An der Uni Würzburg wird mit Fördermitteln des Bundesforschungsministeriums ein neues Käte-Hamburger-Kolleg für Studien zum sogenannten Messianismus eingerichtet. Das Phänomen ziehe sich „durch nahezu alle Kulturen und Epochen“, teilte die Hochschule am Donnerstag mit. Immer wieder verehrten die Menschen einen Messias. Dies sei eine Persönlichkeit, „die als Heilsbringer und gottgesandter Retter wahrgenommen wird“. Dabei könne die messianische Rolle „religiös, politisch oder kulturell besetzt sein“.
Das jüngste bekannte Beispiel für Messianismus dürfte der US-amerikanische Präsident Donald Trump sein, hieß es in der Mitteilung der Uni weiter. Seine Inszenierung als Messias habe bereits bei seiner ersten Wahl weite Wählerkreise mobilisiert: „Im zweiten Wahlkampf wurde sie durch das gescheiterte Attentat im Juli 2024 zusätzlich befeuert.“ Das neue Kolleg will erforschen, unter welchen Bedingungen messianische Konzepte und Figuren ihre Wirkung entfalten. Gefördert wird das neue Kolleg für vier Jahre mit 7,7 Millionen Euro.
Mit seiner Arbeit will das Käte-Hamburger-Kolleg auch in die Gesellschaft hineinwirken, kündigte die Uni an: „Denn Erlösungslehren können zwar Gemeinschaften stiften, aber auch Demokratien gefährden.“ Sie hätten das Potenzial, egalitäre und totalitäre Tendenzen zu begünstigen. Darum will das Kolleg in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen „Initiativen der politischen Aufklärung und Sensibilisierung anstoßen“. Man wolle die Menschen befähigen, Messianismus zu erkennen und sich kritisch damit auseinanderzusetzen.
Mit den Käte-Hamburger-Kollegs will das Bundesforschungsministerium herausragenden Forscherinnen und Forschern seit 2008 „Freiräume für geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungen auf Weltniveau“ bieten. Benannt ist es nach der deutschen Germanistin, Literaturwissenschaftlerin und Philosophin Käte Hamburger (1896-1992). Geleitet wird das Würzburger Kolleg von Barbara Schmitz, Lehrstuhlinhaberin für Altes Testament, und Christian Wehr, Lehrstuhlinhaber für spanische und französische Literaturwissenschaft. (0207/22.01.2026)