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Naturschützer: Zunehmende Gewalt gegen Vögel in Bayern

Verfolgt, vergiftet, getötet – Gewalt gegen Vögel hat in Bayern im vergangenen Jahr laut Naturschützern ein neues Hoch erreicht. Dabei kamen offenbar perfide Methoden zum Einsatz.

Großvögel in Bayern sind nach Angaben von Naturschützern immer stärkerer Gewalt ausgesetzt. Im vergangenen Jahr seien so viele Fälle von Naturschutzkriminalität gegen Vögel im Freistaat festgestellt worden wie seit vier Jahren nicht mehr, teilten der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV) und die Gregor-Louisoder-Umweltstiftung am Mittwoch mit. Zu den Großvögeln in Deutschland zählen neben den heimischen Greifvogelarten wie Mäusebussard, Habicht oder Rotmilan auch Reiher oder Gänse.

Insgesamt seien im vergangenen Jahr 133 tote Großvögel gemeldet worden, bei denen zumindest ein anfänglicher Verdacht auf illegale Verfolgung bestand, fast dreimal so viele wie im Vorjahr, hieß es weiter. Toxikologische Untersuchungen hätten in 30 Fällen Vergiftungen der Tiere feststellen können, unter anderem mit dem seit 2008 in der EU verbotenen Insektengift Carbofuran. Dieses wirke bereits über den bloßen Hautkontakt und sei auch für Menschen und Haustiere gefährlich, erklärte Nicole Meier vom LBV. “Wenn ein Greifvogel einen damit präparierten Giftköder frisst, kommt er oft nur noch wenige Meter weit, bevor er qualvoll stirbt.”

Eine besonders perfide Methode, die Vögel zu vergiften, sei dabei der Einsatz von sogenannten Kamikazetauben. Dabei würden für die Züchtung uninteressante Tauben im Nacken mit Gift eingestrichen und dann als Köder in der Nähe eines Taubenschlages fliegen gelassen. Werden sie dann von einem Greifvogel geschlagen, nehmen diese das Gift auf. Werden sie nicht erbeutet, sterben die Tauben selbst an dem Gift und bleiben als Kadaver liegen. Im vergangenen Jahr wurden zwei Fälle solcher Kamikazetauben registriert.

Daneben gebe es weiterhin fahrlässige Tötungen, etwa durch Rattengift, das die Nagetiere schädigt, die dann von Greifvögeln erbeutet werden. Auch Fallen und gezielte Abschüsse von Tieren seien registriert worden.

Der LBV weist darauf hin, dass die meisten Arten der Großvögel unter Schutz stehen. “Die illegale Verfolgung geschützter Arten ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat”, betonte Meier. Gleichzeitig würden die meisten Fälle von Naturschutzkriminalität nicht aufgeklärt und blieben folgenlos. Der Verband fordert deshalb eine stärkere Sensibilisierung bei Behörden, aber auch in der Bevölkerung. Dabei gebe es auch eine positive Entwicklung, so Meier. “Dass uns im vergangenen Jahr so viele Hinweise erreicht haben, zeigt, wie aufmerksam und engagiert viele Menschen inzwischen hinschauen.”