Konzerte in kleinen Kirchen bei „Dorf.Kirche.Klingt“

Musik für die weißen Flecken

Mit den Veranstaltungen sollen abgelegene, aber schöne Dorfkirchen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden. Ein Konzept, das offenbar aufgeht.

Das Orchester für Alte Musik Vorpommern begeisterte zum Auftakt in Pasewalk mit Vivaldis Vier Jahreszeiten

von Sybille Marx

Hintersee. Dort, wo sich im Sommer die Touristen tummeln, ist es längst Standard im Sprengel: dass Konzerte in Dorfkirchen gespielt werden, mancherorts sogar täglich. „In Pasewalk und Umgebung ist das anders, hier hat sowas in den letzten Jahren kaum stattgefunden“, sagt Musikerin Gertrud Ohse. In den weniger touristischen Gebieten Vorpommerns sei Kultur ein weißer Fleck. Eben deshalb findet sie die 18-teilige Reihe „Dorf.Kirche.Klingt“, die am 22. Mai startete, so reizvoll. „Für uns Künstler ist es auch toll, mal in der eigenen Region zu spielen.“ 18 sonntägliche Konzerte von Mai bis September sind geplant, vor allem im Pommerschen Kirchenkreis. 

Initiator und Geldgeber der Reihe ist die gemeinnützige „Füreinander“-GmbH des Nordkurier, die erklärtermaßen die Orgeln in den alten Dorfkirchen von MV zum Klingen bringen will – bevorzugt dort, wo gut sanierte Ins­trumente stehen, aber regelmäßig spielende Organisten fehlen. Anett Burckhardt, Baubeauftragte des Pommerschen Kirchenkreises, hat geholfen, die konkreten Kirchen auszuwählen. „Frau Burkhardt kennt die Dorfkirchen und konnte darum die schönsten auswählen“, erzählt Gertrud Ohse: „Kirchen, die eine besondere Orgel haben oder aus anderen Gründen ein Kleinod darstellen.“

Perfekte Kombination gesucht

Gertrud Ohse hat die musikalische Leitung von Dorf.Kirche.Klingt übernommen. Sie hat geprüft, welche der gewählten Kirchen sich für welche Instrumente am besten eignen und entsprechende Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Orchestern angesprochen, darunter aus ihrem eigenen, dem Orchester für Alte Musik Vorpommern. „In Brüssow und Jatznick zum Beispiel gibt es tolle Orgeln, die auch allein gut klingen“, sagt sie. In anderen Kirchen böten sich andere Instrumente an. „Mein Ziel war, die perfekte Kombination von Künstler und Kirche zu finden.“

Erfolg zur Premiere

Gleich der Auftakt in Pasewalk war ein voller Erfolg. „Die St. Otto-Kirche war bis auf den letzten Platz belegt“, erzählt Gertrud Ohse. „Und wir haben sehr viel positives Feedback bekommen.“ Die Füreinander-GmbH zahlt den Künstlern Gage. Für das Publikum sind die Konzerte kostenlos. Mancherorts fallen die Termine bewusst mit Jubiläen oder anderen Festen der Gemeinde zusammen – damit sie auch wirklich in der Gemeinde ankommen.

Im vergangenen Jahr war die Reihe als Pilotprojekt mit drei Konzerten in Pasewalk, Löcknitz und Krackow gestartet. „Da haben wir schon gemerkt: Es funktioniert“, erzählt Gertrud Ohse. Die nächsten Konzerte sind etwa in Strasburg und Sonnenberg in der Uckermark und in Jatznick nördlich von Pasewalk geplant, außerdem am Sonntag, 26. Juni, in der Weitenhagener Kirche bei Greifswald, wo das Konzert zum Jubi­läumsprogramm gehören wird: 50 Jahre Haus der Stille.

Worin die Chance liegt

Der Pommersche Kirchenkreis sieht in der neuen Kulturreihe vor allem die Chance, wenig genutzte aber wertvolle Dorfkirchen stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. In MV gebe es fast ausnahmslos alte und denkmalgeschützte Kirchen, die als Teil der Heimat, als Landmarken, Veranstaltungs- und Versammlungsorte unverzichtbar seien, sagt Kirchenkreissprecher Sebastian Kühl. Oder wie Annett Burckhardt es formuliert: „Dorfkirchen sind Schätze unserer Kulturlandschaft. Diese wertvollen Gebäude zu erhalten, ist äußerst lohnenswert.“ Und das gelinge umso besser, je vielfältiger die Nutzung sei.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren