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Museum versieht Lawrence von Arabien mit kulturellem Warnhinweis

Dürfen sich Europäer mit Dreadlocks oder indigenen Federkronen schmücken? Diese Debatte hat auch die National Portrait Gallery in London erreicht.

Zwei Porträts von Lawrence von Arabien in der Londoner National Portrait Gallery sind mit Warnungen für sensible Betrachter versehen worden. Die Darstellungen des Briten mit zivilem Namen Thomas Edward Lawrence (1888-1935) in arabischer Kleidung spiegelten Haltungen und Sichtweisen der damaligen Zeit und könnten heutigen Einstellungen widersprechen, heißt es in den Anmerkungen, die von britischen Medien am Mittwoch zitiert wurden. Hintergrund ist die Debatte um die Aneignung fremder kultureller Merkmale.

Bei den Bildern handelt es sich um eine Zeichnung des britischen Offiziers und Geheimagenten Augustus John aus dem Jahr 1918 und eine Fotografie von 1917, die Lawrence mit der arabischen Kopfbedeckung, einer Kufiya, zeigt. Auch Darstellungen anderer Persönlichkeiten, etwa des Orientalisten Edward William Lane (1801-1876) oder des italienischen Forschungsreisenden Giovanni Battista Belzoni (1778-1823), erhielten Triggerwarnungen wegen der potenziell verletzenden Appropriation beigefügt.

Lawrence spielte als britischer Verbindungsoffizier eine Schlüsselrolle während des arabischen Unabhängigkeitskampfs. In seinem 1926 erschienenen autobiografischen Bericht “Die sieben Säulen der Weisheit” schreibt Lawrence, der spätere König Faisal I. habe ihn gefragt, “ob ich im Lager arabische Kleidung wie er selbst tragen würde. Das wäre besser für mich, da es bequeme Kleidung war, in der man nach arabischer Art leben konnte, wie wir es mussten. Außerdem würden die Stammesangehörigen dann verstehen, wie sie mich behandeln sollten … Wenn ich mekkanische Kleidung trug, würden sie sich mir gegenüber so verhalten, als wäre ich wirklich einer der Anführer.”