Artikel teilen:

Mit Humor für kirchliche Berufe

Wie wirbt man am besten für kirchliche Berufe? Mit viel Humor, sagte sich die junge Gruppe der Evangelischen Kirche von Westfalen – und produzierte eine fiktionale Doku im Stile von “Stromberg”.

Das Filmteam bei den Dreharbeiten zu dem Video „Krise-Chaos-Weihnachten“
Das Filmteam bei den Dreharbeiten zu dem Video „Krise-Chaos-Weihnachten“Mach Kirche / Holger Gießelmann

„Mach Kirche“, die Nachwuchsgewinnung der Evangelischen Kirche von Westfalen, wirbt mit einem Weihnachtsfilm für kirchliche Berufe. Als Genre wählte die Gruppe eine Mockumentary, also einen fiktionalen, humorvollen Dokumentarfilm im Stile von “Stromberg”. Im Mittelpunkt des Films „Krise-Chaos-Weihnachten“ steht ein junges Team, das seinen ersten Weihnachtsgottesdienst vorbereitet – mit viel Idealismus, einigen Pannen und einer guten Portion Selbstironie. Pfarrer Holger Gießelmann ist in der westfälischen Landeskirche für die Nachwuchsgewinnung für kirchliche Berufe zuständig. Er arbeitet als Theologischer Referent im Landeskirchenamt. Merlin Morzeck ist Regisseur aus Herne.

„Mach Kirche“ stellt Berufe vor, in denen Menschen Kirche mitgestalten können. Was genau steckt dahinter?
Holger Gießelmann: Die Formulierung passt schon. Jedoch geht es uns weniger um abstrakte Berufsbilder, sondern um die Menschen dahinter, die erzählen, was sie an ihrem Beruf in der Kirche lieben.

Der neue Weihnachtsfilm ist sehr humorvoll. Warum dieser besondere Stil?
Holger Gießelmann: Wir machen seit einigen Jahren Weihnachtsfilme – mal ernst, mal heiter. Humor ist für uns ein starkes Mittel, Menschen in dieser Zeit noch einmal anders anzusprechen.
Merlin Morzeck: Mockumentary Formate prägen derzeit viele Serien, von „Stromberg“ bis „Die Discounter“. Mir gefällt, wenn Kirche nicht Trends von vorgestern aufgreift, sondern ästhetisch auf der Höhe der Zeit ist.

Worum geht es konkret im Film?
Holger Gießelmann:

Ein junges Team – Pfarrerin und Diakon – bereitet seinen ersten Weihnachtsgottesdienst vor. Vieles läuft gut, aber dann zeigt sich sehr menschlich, dass man trotz Teamarbeit nicht alles im Blick hat, wenn etwa plötzlich der Kirchenmusiker ausfällt.

Humor über Kirche kann heikel sein. Wo ziehen Sie die Grenze?
Merlin Morzeck: Wir wollten kein kirchliches „Stromberg“-Büro schaffen, wo niemand arbeiten möchte. Der Humor richtet sich mehr auf Situationen und Strukturen, nicht darauf, Menschen lächerlich zu machen.

“Krise-Chaos-Weihnachten”: Von wegen heile Welt

Holger Gießelmann: Uns war auch wichtig, mit einem Lächeln auf reale Hürden zu schauen, statt eine heile Welt zu verkaufen.

Wen möchten Sie erreichen?
Holger Gießelmann: Über Instagram erreichen wir vor allem Menschen ab Mitte 20, einen Tick mehr Frauen. Mit Jugendlichen unter 18 kommen wir online weniger in Kontakt, deshalb setzen wir da auf Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, auf die der Film dann wirkt.

Wo ist der Film überhaupt zu sehen?
Holger Gießelmann: Zuerst auf YouTube, über unsere Weihnachtskarte mit QR Code, die an rund 500 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren rausgeht. Online laufen schon Ausschnitte auf Instagram, und ab dem vierten Advent zeigen wir ihn vollständig auf unserem YouTube Kanal, auf dem inzwischen schon rund 40 Filme zu kirchlichen Berufen liegen.

Die Hauptrollen spielen eine Vikarin und ein Diakon. Warum wurden keine professionellen Schauspielerinnen oder Schauspieler engagiert?
Holger Gießelmann: Vikarin Katrin Pfeiffer kannte ich bereits durch eine Reihe von „Mach Kirche“-Veranstaltungen; sie bringt starkes Talent im Improvisationstheater mit. Diakon Johnny Reitmeier habe ich an der Diakonenschule kennengelernt – auch er passt vom Humor her perfekt.

Regisseur Merlin Morzeck: Eigentlich arbeite ich lieber mit Profis

Merlin Morzeck: Normalerweise arbeite ich tatsächlich lieber mit Profis. Aber hier war es ein Gewinn, dass beide ihre Berufe wirklich ausüben. Wenn ich zu Katrin sage: „Mach das mal pastoraler“, weiß sie sofort, was gemeint ist.

Was war Ihr Anspruch an den Film?
Merlin Morzeck: Trotz begrenztem Budget sollen die Filme für „Mach Kirche“ so aussehen, dass man sich nicht entschuldigen muss, also: guter Ton, gutes Bild, klare Form. Idealerweise stolpern Menschen über unsere Clips und merken erst auf den zweiten Blick, dass es kirchliche Werbung ist.

Was wünschen Sie sich für diesen Film?
Holger Gießelmann: Wenn Menschen schmunzeln, sich wiederfinden und ins Gespräch kommen, ist viel erreicht. Und wenn einige neugierig auf kirchliche Berufe werden, wäre das ein besonders schönes Weihnachtsgeschenk.