Mit der roten Rikscha von Kirche zu Kirche

Über die Dörfer lässt sich vielerorts gut radeln und am Wegesrand manch eine Kirche bestaunen. Das soll nun attraktiver werden – dank QR-Codes und Rikschas.

Frau sitzt auf roter Rikscha, Mann fährt
Frau sitzt auf roter Rikscha, Mann fährtepd-bild / Mediendienst Bramsche

Osnabrück. Behutsam steuert Joachim Cierpka die leuchtend rote Fahrradrikscha auf die St.-Martin-Kirche in Bramsche zu. Passagierin Dita Graffe ist nach anfänglicher Skepsis nun doch begeistert. Aus dieser Perspektive hat die 82-Jährige „ihre“ Kirche noch nicht erlebt. Der Chauffeur, Superintendent des Kirchenkreises Bramsche, stoppt das Gefährt vor einer kleinen Blechtafel mit einem QR-Code darauf. Dort ist ein Film über die Attraktionen in St. Martin hinterlegt, an dem die ausgebildete Kirchenpädagogin selbst mitgewirkt hat. Doch mit ihrem alten Handy könne sie den gar nicht abrufen, sagt Graffe: „Das müssen meine Kinder mir erst zeigen.“

Die Schätze der Kirchen für Fahrrad- und Wandertouristen erschließen und gleichzeitig die Menschen auf dem Lande fit machen für digitale Angebote: Mit diesen Zielen tritt jetzt das niedersachsenweit einzigartige Projekt „Ökumenische Erlebniswege“ an. Der Kirchenkreis hat sich dafür mit der evangelischen und katholischen Erwachsenenbildung sowie dem kirchlichen Unternehmen „Kirche.Media“ zusammengetan, das zum Kirchenkreis Bramsche gehört.

Wissenswertes und Kurioses

„Bis Sommer 2023 sollen sechs Touren Radlern und Wanderern den Weg zu 30 Kirchen in und um Bramsche weisen“, erläutert Cierpka. Wissenswertes und manche Kuriosität über die Gebäude und Gemeinden erfahren die Touristen über die QR-Codes, die an jeder Kirche angebracht werden. Die hinterlegten Filme entstehen mit Hilfe von Haupt- und Ehrenamtlichen. Die Wegbeschreibungen können über den digitalen Routenplaner „komoot“ aufgerufen werden.

Mit einem QR-Code lassen sich Informationen über Kirchen abrufen Symbolbild: Pixabay
Mit einem QR-Code lassen sich Informationen über Kirchen abrufen Symbolbild: Pixabay

Das Land Niedersachsen gibt aus dem Topf des Digitalcampus 75.000 Euro dazu. Das Projekt zeige, dass digitale Angebote erfolgreich interkonfessionell sowie alters- und gemeindeübergreifend realisiert werden können, sagt Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU): „Ich bin mir sicher, dass sowohl junge als auch alte Menschen mit digitaler Unterstützung tolle reale Erlebnisse bei den verschiedenen Touren haben werden.“

Von dem Fördergeld hat der Kirchenkreis unter anderem drei Rikschas angeschafft, damit auch Menschen, die nicht selbst strampeln können, die Routen erkunden können. Graffe und Cierpka sind auf ihrer Probefahrt an diesem Tag nicht die einzigen Radler in der Bramscher Innenstadt. Die Region nördlich von Osnabrück ist bei Fahrradtouristen beliebt. Die Corona-Pandemie habe dem Urlaub in Deutschland noch mal einen zusätzlichen Schub verliehen, sagt Cierpka. „Da wollen wir als Kirche Präsenz zeigen.“

Schub für Gemeinden

„Wir wollen der Gesellschaft aber auch etwas geben“, ergänzt Kai-Fabien Rolf von „Kirche.Media“, der die Filme produziert: „Ganz nach dem Motto: Wenn es der Region gut geht, geht es auch der Kirche gut.“ Die coronabedingten Lockdowns hätten gezeigt, dass manch eine Kirchengemeinde noch Nachholbedarf in puncto Digitalisierung habe. Zudem seien gerade ältere Menschen nicht in der Lage, digitale Angebote zu nutzen, sagt der Medienexperte. Dabei könnten diese ihnen das Leben erleichtern. „Das gilt für die gestreamte Sonntagspredigt ebenso wie für den täglichen Einkauf.“


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Die Kirchengemeinden bekämen durch die Mitarbeit bei den Filmen und die Ausstattung mit QR-Codes einen digitalen Schub, sagt Rolf. Die Evangelische Erwachsenenbildung Osnabrück hat dafür eigens Tablets und Smartphones angeschafft und bietet Kurse an verschiedenen Standorten an, erläutert deren Leiter Christian Bode. Kirchengemeinden, aber auch nichtkirchliche Gruppen könnten dort Fortbildungen buchen.

Rauf aufs Rad

Ob auch Dita Graffe ein solches Angebot annehmen wird, ist nicht sicher. Auf jeden Fall will sie einige der neuen Routen von Kirche zu Kirche erkunden – nicht mit der Rikscha, sondern mit dem eigenen Fahrrad. „Immerhin ist es gut, dass die Rikscha einen Elektromotor hat. Sonst hätten Sie die Tour mit mir ja gar nicht geschafft“, sagt sie mit einem Augenzwinkern an ihren Chauffeur gewandt. (epd)