Mit den Füßen im Sand konfirmiert

Zweimal musste ihre Feier verschoben werden, doch jetzt konnten die Jugendlichen von Spiekeroog ihre Konfirmation endlich nachholen – am Strand der Insel. Ein berührendes Erlebnis.

Konfis im Anzug und Pastorin marschieren durch den Sand
Konfis im Anzug und Pastorin marschieren durch den SandPatrick Kösters

Spiekeroog. Offene Wände und der Himmel als Dach, vor einem die Weite des Meeres und die Füße im Sand. Die Spiekerooger Jugendlichen, die ihre Konfirmation am Strand begangen haben, werden diese Feier sicherlich so schnell nicht vergessen. Nachdem die Konfirmation bereits zweimal verschoben werden musste, wurde die Feier corona-konform an den Strand verlegt. Und wenn es nach Hark Hinrichs geht, sollten in Zukunft alle Spiekerooger Konfirmanden so feiern können. „Ich würde es allen wünschen“, sagt der 15-Jährige.

Hark lebt eigentlich nicht mehr auf der Insel, hat aber bis vor der Pandemie das Internatsgymnasium besucht und am Konfirmationsunterricht der Inselgemeinde teilgenommen. Mit Spiekeroog, dem Meer und den Menschen fühlt er sich immer noch verbunden. So reiste er mit seiner Familie aus seiner Heimat in Schleswig-Holstein zur Konfirmation an.

„Ich werde nicht stranden“

Bedenken im Vorfeld, dass die Feier am Strand vielleicht nicht feierlich genug sein könnte, waren unbegründet: „Es war schön und festlich“, sagt Inselpastorin Konstanze Lange. Zum Lied „We’re marching in the light of God“ zogen die vier Konfirmanden und die Konfirmandin über den Bohlenweg am Hauptbadestrand in die Freiluftkirche ein, gemeinsam mit dem Kirchenvorstand, Inselpastorin Konstanze Lange, Urlauberpastor Friedrich Brandi und den Teamern. Ein Trompeter, der Urlauberkantor am E-Piano und Sängerinnen begleiteten den Gottesdienst. „Der Herr ist mein Lotse, ich werde nicht stranden. Er leitet mich auf dunklen Wassern und führt mich auf der Fahrt meines Lebens.“

Mit den Füßen stehen die Konfirmanden und Pastorin Constanze Lange in der Nordsee Foto: Patrick Kösters
Mit den Füßen stehen die Konfirmanden und Pastorin Constanze Lange in der Nordsee Foto: Patrick KöstersPatrick Kösters

Eingestimmt durch diese Übertragung des Psalm 23 für Menschen, die zur See fahren, ging es zur Tauferinnerung an den Spülsaum. Mit aufgekrempelten Hosenbeinen standen sie barfuß in der Brandung und wurden mit einem Nordseewasserkreuz an die eigene Taufe erinnert. Und sie sangen zusammen das Lied „Du bist da“, das von Strand, Sand und Meerestiefe erzählt. Die Konfirmation fand am feierlich geschmückten Altar statt.

Im Sommer wird gewandert

Konstanze Lange ist seit bald fünf Jahren Pastorin auf Spiekeroog und war seit 2013 bereits als Urlauberpastorin auf der ostfriesischen Insel. Die Besonderheit der Insel ist, dass zu der kleinen Gemeinde mit 250 Gemeindegliedern im Sommer eine große Urlaubergemeinde hinzukommt. „Ich habe schnell gemerkt, dass man die Insel viel mehr als Raum nutzen sollte“, sagt die 64-Jährige. So hat sie bald meditative Wanderungen durch die Dünen und am Strand mit Tauferinnerungen am Meer angeboten. Jedesmal würden die Menschen nach der Tauferinnerung mit Freude und warmem Applaus empfangen. Das sei immer sehr berührend.

Diese Wanderungen finden jetzt bei jedem Wetter einmal im Monat von Juni bis September statt. Strandgottesdienste hatte ein Vorgänger von Lange bereits gefeiert. Solche Angebote würden sehr gut angenommen, und man habe oft auch „Zaungäste“ dabei, sagt Lange. Mit diesen Formaten könne man mit wenigen Mitteln unterschiedliche Menschen erreichen. Die Lust, mehr draußen zu machen, und die „Geh-Struktur statt der Komm-Struktur“ mit vereinfachter Liturgie würden auch nach Corona bleiben, sagt die Pastorin. Sie würde diese Art der Konfirmationsfeier gern erneut so ausrichten: „Es hat mich selbst sehr berührt.“