Mit dem Rad nach Wittenberg

Das wird eine besondere Rad-Tour: Über 400 Kilometer soll die Fahrt nach Wittenberg führen – auf den Spuren des Reformators Bugenhagen.

Penkun. „Unsere Region hat sich in den vergangenen Jahren stark nach Stettin hin orientiert“, meint Bernhard Riedel. Er ist Pastor der Kirchengemeinde Penkun im äußersten Südosten Vorpommerns, knapp 20 Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt. „Deutsche und Polen haben sich angenähert und sind Teil einer grenzübergreifenden, europäischen Region geworden.“
Diese Entwicklung spiegelt auch das neueste Projekt wider: eine grenzüberschreitende Radtour auf den Spuren des Pommernreformators Johannes Bugenhagen. Vom 21. bis 27. August soll die Fahrt, beginnend im polnischen Treptow an der Rega, über 400 Kilometer bis nach Wittenberg führen. „Im Zeitalter der offenen Grenzen bietet sie eine wunderbare Gelegenheit, sich gemeinsamer europäischer Traditionen bewusst zu werden“, meint Bernhard Riedel. Dementsprechend werde nicht nur die Tour durch die beiden Nachbarländer führen, sondern auch die Gruppe der Teilnehmenden werde aus Deutschen und Polen bestehen.

Begleitbus dabei

Die Idee war im September des vergangenen Jahres auf einem Treffen des Pommernkonvents entstanden, der Gemeinschaft evangelischer Pommern, dessen Vorstandsmitglied Bernhard Riedel ist. „Wir saßen mit unseren polnischen Partnern aus der Evangelisch-Augsburgischen Kirche aus Stettin, Köslin und Stolp zusammen, um eine neue Radtour zu planen“, erzählt er. Schon 2016 hatte es eine 400 Kilometer-Radtour mit der  Gemeinde entlang der deutsch-polnischen Grenze gegeben, eine Woche lang, bis nach Görlitz. „Das war ein Erfolg, so etwas wollten wir gern wieder machen.“ Und die Route? Angesichts des Reformationsgedenkens entstand der Plan, eine thematisch dem Leben des Reformators Johannes Bugenhagen folgende Fahrt zu organisieren.
„In Treptow an der Rega war Bugenhagen nach seiner Studienzeit an der Greifswalder Universität als Rektor der Stadtschule tätig“, weiß Bernhard Riedel. „Von dort aus hat er das Wirken Martin Luthers genau verfolgt und ihn dann auch besucht.“ Gewissermaßen diese Besuchsreise soll die Radtour vom 21. bis 27. August nachvollziehen. Ursprünglich sei Bugenhagen ein Kritiker Luthers gewesen, erzählt Bernhard Riedel. Durch seinen Besuch in Wittenberg und infolge vieler Gespräche seien sie Freunde geworden. „Treptow an der Rega wurde ein wichtiges Zentrum der Reformation. Dort haben im Jahr 1534 die Pommernherzöge mit der Durchsetzung einer neuen Kirchenordnung die Reformation für Ihre Gebiete beschlossen.“
Bernhard Riedel fährt selbst gern mit dem Fahrrad, regelmäßig unternimmt er Radtouren mit seiner Frau. „Wir werden sicherheitshalber einen Begleitbus dabeihaben, der Fahrräder transportieren kann, so können wir ‚Lahme‘ einsammeln“, erzählt Riedel augenzwinkernd. Ansonsten richtet sich die Tour an normaltrainierte Freizeitradfahrer. Die Drahtesel der Beteiligten sollten aber schon für eine Langstrecken-Tour geeignet sein. Die Fahrt führt entlang zahlreicher Stationen und Sehenswürdigkeiten, die kirchen- und reformationsgeschichtlich bedeutsam sind: etwa die Bugenhagenkirche in Stettin, die Klosterkirche in Chorin, das Kloster Zinna, die Schlosskirche in Wittenberg. „Das wird toll“, freut sich Bernhard Riedel.

Gemeinsames Trikot

20 Leute könnten mit. Ein gemeinsames Trikot soll zeigen, „dass hier Botschafter des Reformationsgedenkens und des Reformators Bugenhagen unterwegs sind“, sagt der Pastor. „Und dabei verstehen wir uns natürlich vor allem als Vertretende Pommerns und damit auch als Erben eines der protestantischen Kernlande der Reformation.“
Info
Wer mitfahren möchte, kann sich per E-Mail unter penkun@pek.de anmelden.