Einsichten – die christliche Kolumne

Mit bunten Federn

Über Eier, die Gott uns ins Nest legt, schreibt Sonja Reincke. Sie ist Pastorin in Siedenbollenthien in Vorpommern.

Der Predigttext des kommenden Sonntags lautet: „Leitsatz: Stärke uns den Glauben!“ aus Lukas 17, 5b

„Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupt fliegen, kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern.“ Martin Luther werden diese weisen Worte zugeschrieben. Gut beobachtet, wie es sich mit den Sorgen verhält, jenen lästigen Biestern, kreisenden Gedanken, die sich schlecht vertreiben lassen, alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen und die Lebenslust vergehen lassen.

Ein großer schwarzer Sorgenvogel heißt Gemeindegliederzahlentwicklung. Kaum noch Taufen bei uns. 2 Konfirmandinnen aus 25 Dörfern, geschätzt. Wenig Begeisterung fürs Ehrenamt. Die Sorge: Wie sollen wir uns kleiden?! – davon spricht Jesus in der Bergpredigt – ist zu der Frage geworden: Was sollen wir spielen? Was sollen wir lesen, singen, sagen, damit wir konkurrenzfähig sind auf dem Markt der (Freizeit-)Möglichkeiten? „Herr, stärke unser Gottvertrauen!“ rufen wir Jüngerinnen und Jünger in Sorge vor der um sich greifenden geistlichen Armut.

Neue Sorgenvögel

Verhindere, dass du zur Brutstätte für neue Sorgenvögel wirst, sagt Luther, und Jesus sagt (bei Lukas): Vertrauen, so groß wie ein Samenkorn (oder wie ein Vogel-Ei?), würde reichen, um Unglaubliches zu vollbringen. Und, großes, heiliges Versprechen: Gott legt dir ein solches Ei ins Nest! Ist es zu glauben? Dass da bei uns die Vögel brüten könnten aus der Gattung Glaube-Liebe-Hoffnung, mit ihren bunten Federn aus Kinderlachen und Erwachsenenzuversicht: Es kommt nicht auf die Größe an, sondern auf die Qualität!

Trauen wir Gottes Geist ruhig zu, dass sie schlüpfen, die jungen Vögel der Besonnenheit und der Liebe, des Friedens, des Mutes und des Vertrauens. Sie werden uns zeigen, was wertschätzendes Miteinander ist, wie Fremde eine Heimat hier finden, wie wir zu einem lebendigen Ort werden mit einem freundlichen Gesicht, kurz: Wie Kirche geht. Das wird die schwarzen Sorgenvögel über unseren Häuptern kräftig aufmischen. Darauf vertraue ich. Gott sorgt für seine Gemeinde!

Unsere Autorin
Sonja Reincke ist Pastorin in Siedenbollenthien in Vorpommern.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Dienstag.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren