Missbrauchsfall in hannoverscher Landeskirche wird in externer Studie untersucht

Eine Betroffene hat den Fall aus Nenndorf bei Hamburg im vergangenen Jahr öffentlich gemacht. Dazu soll es nun eine externe Untersuchung geben, die Landeskirche zieht ihre geplante Studie zurück.

Hannover/Hittfeld/Wolfsburg. Ein Missbrauchsfall in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers soll von einem unabhängigen Forschungsverbund untersucht werden. Der Forschungsverbund „ForuM“ plant dazu eine Fallstudie, wie die hannoversche Landeskirche mitteilt. Für die Untersuchung sollen Betroffene, Gemeindemitglieder und Zeitzeugen befragt und sowie Akten und Unterlagen aus Archiven einbezogen werden.

„Berichten von Betroffenen zufolge hat ein Pastor der Landeskirche von den 1970er Jahren bis in die frühen 2000er serienmäßig ihm schutzbefohlene jugendliche Mädchen sexuell belästigt und teilweise schwer missbraucht“, erläutert ein Kirchensprecher. „Hinweisen auf diesen Missbrauch wurde in den 1970ern und 1990ern mutmaßlich nicht nachgegangen.“ Die erste Betroffene meldete sich den Angaben zufolge 2015 bei der Ansprechstelle der Landeskirche.

Weitere Betroffene meldeten sich

Im vergangenen Jahr machte die Frau den Missbrauch durch den mittlerweile verstorbenen Pastor in der Kirchengemeinde Nenndorf bei Hamburg in den 1980er und 1990er Jahren auch vor Ort öffentlich, um eine Aufarbeitung zu erreichen. Daraufhin meldeten sich weitere Betroffene – auch aus Wolfsburg, wo der Pastor ebenfalls tätig war.

Die Fallstudie „Fall Nord/Niedersachsen“ des Forschungsverbundes soll nach Kirchenangaben im Herbst 2023 veröffentlicht werden. Sie ist Teil einer im Dezember 2020 gestarteten und breit angelegten Studie, die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Auftrag gegeben worden ist.

Ursprünglich hatte die Landeskirche eine eigene Studie zu dem Fall in den Kirchenkreisen Hittfeld und Wolfsburg angekündigt. Diese wird es nach den Worten der Leiterin der Fachstelle Sexualisierte Gewalt im Landeskirchenamt in Hannover, Karoline Läger-Reinbold, jetzt nicht mehr geben. „Der Wunsch nach externer Untersuchung ist groß. Wir sind froh, dass der Forschungsverbund diesen Fall in seine Untersuchung mit einbezieht“, sagt sie.

Unterstützung angekündigt

Der evangelische Superintendent Dirk Jäger aus Hittfeld betont: „Den Forschungsverbund werden wir örtlich tatkräftig unterstützen.“ Wichtig sei es, dass sich Betroffene sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ohne Kenntnis der Kirche direkt an den Forschungsverbund wenden könnten. (epd)